Die Zeit läuft! 10 Impulse für ein Bildungssystem mit Zukunft.

Von Sabine Walter

Unsere Gesellschaft verändert sich. Unternehmen verändern sich. Und unser Bildungssystem? Von einer Meta-Ebene betrachtet wirkt es, als träfe Steinzeit auf Zukunft, digitale Welt auf Schiefertafel und Griffel. Wir alle wollen digitaler werden – allen voran die Unternehmen. Viele von ihnen haben zumindest schon erkannt, dass diese Digitalisierung mit einem tiefgreifenden Wandel von Führungskultur einhergeht und dieser Wandel nur mit einem neuen Verständnis für das Arbeiten und die Mitarbeiter erfolgreich vollzogen werden kann.

In einer Gesellschaft, die erkannt hat, dass ihre Überlebensgrundlage die Bildung ist, würde das auch dazu führen, dass das Bildungssystem einen solchen Wandel aktiv unterstützt. Wie könnte ein solches Bildungssystem aussehen?

  1. Bildung ist Bundesaufgabe. Länderhoheit in diesem Bereich wird aufgehoben. Das Bildungsverständnis, die Gestaltung des Bildungsstandards obliegt ausschließlich dem Bund.
  2. Bildungsverständnis und Bildungsstandards basieren auf den Erkenntnissen der Hirnforschung und Lernpsychologie und entwickeln sich durch die Integration neuer Erkenntnisse kontinuierlich weiter.
  3. Fachübergreifendes, interdisziplinäres und vernetztes Lernen in altersgemischten Gruppen ist Standard.
  4. Lehrpläne lassen viel Raum zur kreativen Gestaltung durch die einzelnen Schulen und Lehrer. So werden Lernangebote auf unterschiedliche Persönlichkeits- und Lerntypen abgestimmt. Lernen macht Spaß!
  5. Unterrichts- und Pausenzeiten sowie die Gestaltung der Tagesabläufe entsprechen dem Biorhythmus.
  6. Alle Schulen sind modern. Sie nutzen digitale Technik und handwerkliche Infrastruktur wie Werkstätten, Ateliers, Kreativ- und Spielräume gleichermaßen.
  7. Kreativität und selbstständiges und selbstverantwortliches Denken und Handeln werden in den Schulen aktiv gefördert. Das führt dazu, dass die Schüler Menschen ihre Lösungskreativität ausbauen und die Verantwortungsbereitschaft eines jeden einzelnen für sich und sein Umfeld zunimmt.
  8. Der Lehrerberuf ist auch attraktiv. Das Lehren steht auch für Menschen mit anderen fachlichen Hintergründen offen, wenn sie in der Lage sind, Wissen anschaulich und begeisternd zu vermitteln.
  9. Alle Lehrer sind umfassend psychologisch, didaktisch und pädagogisch ausgebildet. Sie arbeiten gern mit Kindern und Jugendlichen und haben das ausschließliche Ziel, jeden einzelnen bei der Entfaltung seiner Persönlichkeit zu unterstützen.
  10. Noten werden überflüssig. Es gibt individuelles Feedback zu Stärken und Entwicklungsfeldern. Lern- und Entwicklungsdialoge finden regelmäßig statt.

In der öffentlichen Debatte um gesellschaftliche Herausforderungen und gesellschaftlichen Wandel darf Bildung nicht länger ausgeklammert werden. Die Bertelsmann-Stiftung prognostiziert in ihrer kürzlich veröffentlichen Bildungs-Studie bis zum Jahr 2030 eklatanten Lehrermangel. Mit dem bisherigen System und der kleinteiligen, aber erdrückenden Kultusmaschinerie werden wir diese Lücke nicht schließen. Die beste Bildung für die in unserer Gesellschaft lebenden Menschen muss zur Chefsache erklärt werden und in Deutschland damit Kanzleraufgabe werden. Ideen, wie wir unser Bildungssystem reformieren können, gibt es genug. Jetzt gilt es Entscheidungen zu treffen – auch wenn diese auf den ersten Blick für manche unpopulär sind. Eine scheidende Kanzlerin könnte den Mut haben, diese Veränderung in Deutschland noch einzuleiten. Zu verlieren hat sich dabei nichts, gewinnen können wir alle.

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