Im Gespräch mit Renate Weiss

Frau Weiss, was lieben Sie an Ihrem Beruf?

Leidenschaft. Ich liebe es zu spüren, mit welcher Leidenschaft ich jeden Tag unsere Gäste im aran Café verwöhne. Mein Ziel ist es, jedem Gast eine schöne Pause zu schenken. Ich liebe es, unsere Gäste zu beraten, welches Brot oder welcher Kuchen zu ihnen passt. Ich mag es sehr, die Kaffeespezialitäten, die wir anbieten, vor den Augen des Gastes zuzubereiten. Und wenn ich den perfekten Milchschaum beim Cappuccino oder das Herz beim Milchkaffee zaubere, die Augen des Gastes immer größer werden und er dann sagt: „Das ist mit Liebe gemacht.“, ist es das schönste Feedback, das ich mir vorstellen kann.

Ich war über dreißig Jahre in der Schmuckbranche tätig, über dreißig Jahre bei dem gleichen Arbeitgeber. In diesen dreißig Jahren gab es keinen Tag, an dem ich mit dem Leuchten in den Augen, das ich jetzt habe, ins Büro gegangen bin. Zum Glück haben wir vor 10 Jahren bei einem Urlaub das aran Café in Konstanz kennengelernt. 

Ich war vom ersten Moment an von dem Konzept begeistert. Ein Café, in dem es nicht nur Kaffee und Kuchen sondern auch Sauerteigbrot mit leckeren Aufstrichen gibt! Da ich eher einen herzhaften Gaumen habe, war das genau nach meinem Geschmack. Und dann die warme und einladende Atmosphäre, die großen Kaffeetassen, der leckere Kaffee … Kurz: Ich war angefixt. 

Zu Hause haben wir recherchiert und gesehen, dass es sich bei aran um ein Franchisekonzept handelt. Wir haben uns aus Spaß beworben. Und aus dem Spaß wurde Leidenschaft – seit mehr als 7 Jahren.

Welche Parallelen gibt es zu dem, was wir tun, der Persönlichkeitsentwicklung?

Sehr viele. Zum einen habe ich mich selbst enorm entwickelt. Ich bin eher introvertiert und musste sehr weit aus meiner Komfortzone raus, um diese berufliche Veränderung, den Aufbau des eigenen Unternehmens, zu stemmen. Aber daran bin ich gewachsen. Ich habe neue Stärken und Talente an mir entdeckt. Ich habe gespürt, dass es etwas gibt, was mich mit solcher Leidenschaft ausfüllt, dass ich bereit bin, über meine Grenzen zu gehen.

Ich musste ja alles neu lernen: Kaffee machen, unsere Kasse bedienen, die Brote machen, Menschen führen, Waren einkaufen, und, und, und. Jeder, der ein eigenes Unternehmen hat, weiß, was dazu gehört, so etwas aufzubauen und zu führen.

Eine andere Parallele gibt es natürlich bei der Aus- und Weiterbildung unserer Mitarbeiter. Dabei ist es mir ganz wichtig, dass sie sie selbst sind und bleiben. Authentizität spielt eine sehr große Rolle beim Umgang mit Gästen. Sie entscheidet darüber, ob wir Vertrauen schaffen und eine echte Beziehung etablieren können, die dazu führt, dass der Gast wiederkommt. Und das wollen wir. Wir wollen Stammgäste.

Die dritte Parallele sehe ich in unserer Interaktion mit dem Gast. Wir wollen, dass jeder Gast unser Café mit einem Lächeln verlässt – egal wie grimmig er zu uns kommt. Das gelingt uns mit entsprechendem Fingerspitzengefühl, mit Empathie, positiver Ausstrahlung und echtem Interesse. So werden manche Gäste auf sanfte Art angestoßen, einen positiveren Blick auf die Dinge einzunehmen und offener auf ihr Umfeld zu reagieren. 

Wann kommen Ihnen die besten Ideen?

Beim Arbeiten. Mein Zauberwort heißt: „einfach“. Und durch diese Brille betrachte ich das, was ich tue. Und wenn da Dinge dabei sind, die noch nicht „einfach“ genug sind, dann kommen mir Ideen. Wie kann es schneller gehen? Wie geht es noch einfacher? Was spart uns Arbeitsschritte? Wie können wir den Gast schneller verwöhnen, Wartezeiten reduzieren? Meine Mitarbeiter lade ich auch dazu ein, sich fortlaufend Gedanken über Verbesserungen zu machen. Und auch sie haben Ideen, wie wir uns weiterentwickeln können.

Wie wird Ihr Beruf im Jahr 2050 aussehen?

2050? (Lacht). Da arbeite ich schon lange nicht mehr. 

Wie wird sich die Gastronomie verändern? Ich denke, dass die persönliche Beziehung zwischen Gast und Gastronom noch mehr an Bedeutung gewinnen wird. Der Gast will als Individuum gesehen und geschätzt werden; und zwar nicht nur die Stammgäste.

Das bedeutet, dass wir in der Gastronomie ganz andere Qualifikationen brauchen. Wir brauchen gut ausgebildete Service-Mitarbeiter, die unsere deutsche Sprache sehr gut beherrschen. Wir brauchen Menschen in der Gastronomie, die ein echtes Interesse an anderen Menschen haben und mit ihnen ins Gespräch kommen wollen. Wir brauchen Mitarbeiter, die – egal welche Aufgabe sie haben – mit der Haltung arbeiten, die Gäste zu verwöhnen und ihnen eine schöne Zeit zu schenken.

Ich bin davon überzeugt, dass der Wunsch nach Qualität in den kommenden Jahren deutlich zunehmen wird – Qualität in den Speisen und Getränken. Aber vor allem Qualität in der zwischenmenschlichen Beziehung zu den Gästen.

Renate Weiss ist Geschäftsführerin des aran Café im breuningerLAND Sindelfingen. Die gelernte Industriekauffrau hat vor 10 Jahren ihre Leidenschaft für das aran-Konzept entdeckt und führt ihr eigenes aran Café seit über 7 Jahren zusammen mit ihrem Mann. Beide schaffen es gemeinsam mit ihrem Team, dass jeder Gast ihr Café mit einem Lächeln verlässt.

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