Im Gespräch mit Vittorio Strosek

Herr Strosek, was lieben Sie an Ihrem Beruf?

Autos designen ist meine Leidenschaft. Bereits als kleiner Junge wusste ich, dass ich das machen will. Ich arbeite seit mehr als 40 Jahren in diesem Beruf und ich werde das auch noch so lange machen, wie es möglich ist. Ich liebe das Gestalten, das Kreative. Ich liebe es, etwas zu erschaffen und Spuren in der Welt zu hinterlassen. Autos, die ich entwerfe, trifft man überall auf der ganzen Welt. Mein Design, das Strosek-Design ist wie eine Handschrift und hat einen Wiedererkennungswert: Eine klare aufgeräumte, fast animalische Formensprache mit innovativen Ideen.

Aber es ist nicht nur das Design, das mich fasziniert. Ich könnte das Auto auch bauen, also das Design umsetzen. Darin unterscheide ich mich von vielen anderen Designern. Und ich kenne mich in der Aerodynamik aus. Ich habe unzählige Stunden im Windkanal verbracht und genau studiert, wie Formen sein müssen, damit der Luftwiderstand eines Autos so gering wie möglich ist und mehr Abtrieb erzeugt.

Wenn ich Autos designe, kann ich das alles zusammenbringen: den Anspruch an ästhetische Formen, die Klarheit aber auch die Technik und vor allem mein Wissen im Bereich der Aerodynamik. Daher hatte und habe ich beim Arbeiten immer komplett freie Hand. Ich kann mich also austoben und den Traum, den ich als kleiner Junge hatte, leben.

Welche Parallelen gibt es zu dem, was wir tun, der Persönlichkeitsentwicklung?

Nun, da sind wir zum einen beim Träumer; dem Träumer, der ich als kleiner Junge war und der später einmal Autos designen wollte. Aber ich habe davon nicht nur geträumt, sondern ich wusste tief im Inneren, dass ich das werden kann. Ich wusste, dass ich besser zeichnen konnte als die meisten anderen. Mit diesem Selbstbewusstsein habe ich mich dahin entwickelt, wo ich heute stehe.

Die andere Parallele liegt in den Autos. Jedes Auto ist individuell, hat eine eigene Persönlichkeit. Eine Persönlichkeit, die in gewissem Maße auch die Persönlichkeit des Besitzers widerspiegelt, aber auch Teile von meiner, da ich jedes Auto so entwerfe, als würde ich es für mich machen.

Wann kommen Ihnen die besten Ideen?

Morgens zwischen fünf und sieben. Früher hatte ich auf dem Nachttisch sogar einen Block liegen, auf den ich Dinge notiert habe, die mir nachts eingefallen sind.

Wie wird Ihr Beruf im Jahr 2050 aussehen?

Autos werden wir auch 2050 noch entwerfen. Die Leute wollen auch dann noch von A nach B kommen. Natürlich wird es andere Antriebstechniken geben, neue Erfindungen. Diese werden das Design beeinflussen. Das Elektroauto wird aus heutiger Sicht das Zukunftsauto sein. Aber wer weiß, vielleicht wird unser Auto irgendwann einmal mit Wasserstoff oder sicherer Atomenergie betrieben.

Bei selbstfahrenden Autos der Luxusklasse wird das Auto im Inneren sich Wohnräumen oder Hotelzimmern annähern: Wir werden relaxen und uns hinlegen können. Es wird einen Fernseher oder Computer geben. Die Autos werden eine Bar haben. Man wird sich etwas zu essen bereiten können.

Außerdem bin ich davon überzeugt, dass das Design noch weiter auf die Funktion reduziert werden wird. Da weniger Leute ihr eigenes Auto besitzen werden, wird das Styling zurückgehen und dem klaren, reduzierten Design den Vortritt lassen.

Vittorio Strosek ist Automobildesigner. Seit mehr als 40 Jahren setzt er mit seinem Team Trends in Sachen Formensprache und Verarbeitungsqualität. Neben eigenen Kreationen wie dem 911 Speedster arbeitet Vittorio Strosek als Design-Entwicklungspartner für die Automobilindustrie. Designtechnisches Können, Kreativität und das Wissen um aerodynamische Gesetzmäßigkeiten zeichnen ihn aus.

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