Stand up and lead! Ein Appell für mehr Führungsstärke.

Von Sabine Walter

Richard Edelman, Chef der gleichnamigen amerikanischen Kommunikationsagentur Edelman, formulierte es am 22. Oktober in seinem Interview mit Chelsea Spieker sehr klar. „Stand up and lead!“, forderte er die Führungspersönlichkeiten aus der deutschen Wirtschaft auf. Grund für diese Aufforderung war das Ergebnis des diesjährigen „Trust Barometer“, das die Agentur Edelman für das Gütesiegel „Made in Germany“ erstellt hat. Es verdeutlicht, dass die Marke „Deutschland“ Schaden genommen hat. In diesem Artikel geht es daher um Führungsstärke, was diese zu Beginn des 21. Jahrhunderts bedeutet und wie sie dazu beitragen kann, das Vertrauen in „Made in Germany“ wieder herzustellen.

Was heißt Führungsstärke zu Beginn des 21. Jahrhunderts?

Der Begriff der Führungsstärke unterlag in den letzten Jahrzehnten der gleichen Veränderungsgeschwindigkeit wie die Führung als solches. Unterschiedliche Führungsphilosophien lösten einander ab und setzten immer wieder andere Kompetenzschwerpunkte für Führungskräfte. War es früher das harte Durchgreifen und autokratische Führen mit dem Fokus auf kleinteilige Standardisierung und skalierbare Produktivitätssteigerungen, geht es heute um Führung auf Augenhöhe, das Loslassen – ganz im Vertrauen in die Mitarbeiter.

Konnten sich Führungskräfte früher darauf verlassen, dass Patente ihnen lange Zeit eine unangefochtene Marktstellung garantierten, lösen sich heute Neuentwicklungen rundum den Globus in hoher Geschwindigkeit ab. Dies verdeutlicht, dass Führungsstärke in der heutigen Zeit mehr denn je heißt, visionär zu denken.

Visionär denken, um gesellschaftliche Fragestellungen zu lösen

Die Fähigkeit, visionär zu denken, umfasst heute mehr denn je die Fähigkeit, gesellschaftliche Herausforderungen in Zusammenarbeit mit Wirtschaft, Wissenschaft und Politik zu lösen. Für Deutschland heißt das:

  1. Transgenerationales gesellschaftliches Miteinander: Wie schaffen wir es respektvoll miteinander umzugehen, voneinander zu lernen und ein Generationen übergreifendes Miteinander zu leben, dass die Gesellschaft stärkt?
  2. Wirtschaftsleistung: Wofür steht Deutschland 2050? Welche Werte stehen hinter Dienstleistungen und Produkten „made in Germany“?
  3. Lebensqualität: Wie gelingt es uns, dass Deutschland 2050 zu den Gesellschaften mit der höchsten Lebensqualität zählt?
  4. Sozialer Frieden: Wie sorgt unser Sozialsystem dafür sozialen Frieden in unserer Gesellschaft herzustellen?
  5. Bildung: Wie bilden wir unseren gesellschaftlichen Nachwuchs aus, dass er diese Werte überzeugend vertreten kann?
  6. Mobilität: Wie sieht das Mobilitätskonzept für Deutschland und Europa im Jahr 2050 aus?
  7. Globaler Frieden: Welche Rolle spielt Deutschland – Wirtschaft und Politik – bei der Befriedung der Welt?
  8. Ressourcen: Wie wollen wir den nachhaltigen Umgang mit natürlichen Ressourcen sicherstellen und dabei an den wirklichen Ursachen ansetzen?

Mehr unternehmerische Verantwortung zur Lösung gesellschaftlicher Fragestellungen

Auf Grundlage dieser acht Themen haben sich Unternehmen eine zentrale Frage zu stellen: Welchen Beitrag möchten wir als Unternehmen zur Lösung dieser gesellschaftlichen Fragestellungen leisten? Die Antwort auf diese Frage ist elementarer Teil der Unternehmensvision. Nur, wenn Unternehmen anerkennen, dass sie wesentlicher Teil der Gesellschaft sind und daher auch gefordert sind, ihre unternehmerische Leistung noch stärker in den Dienst der Gesellschaft zu stellen, wird wieder Vertrauen in das Gütesiegel „Made in Germany“ hergestellt.

Stand up and lead!

Stand up and lead!“ heißt also zu Beginn des 21. Jahrhunderts, in Zusammenarbeit von Wirtschaft, Wissenschaft und Politik eine Vision für Deutschland zu entwickeln, die unserer gesellschaftlichen Herausforderungen löst – ungeachtet der Einzelinteressen der handelnden Personen.

„Stand up and lead!“ heißt, als Führungsperson die Fähigkeit zu haben, vernetzt zu denken und die Weitsicht und Großzügigkeit zu haben, persönliche Einzelinteressen dem gesellschaftlichen Gesamtinteresse unterzuordnen.

„Stand up and lead!“ heißt, den Mut zu besitzen, Visionen klar zu kommunizieren und alles strategisch notwendige auch gegen Widerstand aus den eigenen Reihen einzuleiten.

„Stand up and lead!“ erfordert mehr denn je eine innere Klarheit, bedingungsloses Selbstvertrauen und die Unabhängigkeit von der Meinung anderer.

Liebe Führungspersönlichkeiten in Politik, Wirtschaft und Wissenschaft, es ist Zeit, zu handeln – wohl überlegt, strategisch und gemeinsam. Blinder Aktionismus, Personaldebatten und Macht- und Ränkespiele müssen endgültig der Vergangenheit angehören, um das Überleben der demokratischen Gesellschaft mit ihren Werten zu sichern. „Made in Germany“ stand für Qualität, Glaubwürdigkeit und Vertrauen. Diese Werte sollten wir wieder sichtbar machen: tagtäglich, in allen Teilen unserer Gesellschaft und in allen Regionen dieses Landes.

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