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Die Kraft der Stille

von Sabine Walter

Die Kraft der Stille | Wald und Himmel spiegeln sich in einem See

Hand auf's Herz.

Wie lange halten Sie es aus, in Gesprächen nichts zu sagen?
Wie lange gelingt es Ihnen, nichts zu tun?
Wie lange schaffen Sie es, in Kontakt mit äußerer und innerer Stille zu sein? Gedanken ziehen zu lassen?
In das Nichts
einzutauchen?

Bruchteile von Sekunden?
Wenige Sekunden?
Eine halbe Minute?
Fünf Minuten?
Ein halbe Stunde?

Stille zuzulassen und sie auszuhalten, ist für viele von uns eine sehr große Herausforderung.

Ich möchte in diesem Newsletter meine Erfahrungen mit der Stille teilen und Impulse schenken, wie Sie die Kraft, die in der Stille liegt, für sich erschließen können.

Was ist Stille?

Wirkliche Stille ist ein Moment, in dem wir mit uns selbst in Verbindung sind. Die Gedanken, die aufsteigen, ziehen lassen. Unseren Körper wahrnehmen und nichts tun.

Diejenigen von Ihnen, die meditieren oder Autogenes Training machen, kennen diese Stille und wissen um ihre nährende Kraft.

Das Nervensystem fährt runter, die Muskeln entspannen. Das Gedankenkarussel steht still. Der Atem wird ruhig, der Kopf wird leicht, der Körper bekommt eine Weite und Tiefe und unser Herz öffnet sich.

Einladung zum Experiment

Ich würde Sie gern zu einem Experiment einladen. Dazu brauchen Sie einen sicheren Raum, in dem sie ungestört sind.

Setzen Sie sich bequem hin. Schließen Sie die Augen und konzentrieren Sie sich auf Ihren Herzschlag.

Was nehmen Sie wahr? Welche Gedanken durchziehen Ihren Kopf? Wann signalisiert Ihnen der Körper, dass er sich wieder bewegen möchte?

Stille – die Angst vor der Ohnmacht.

Erkenntnisse meiner eigenen Erfahrungsreise

Ich bin ein Mensch, der gern gestaltet, etwas bewegt, voran bringt. Beruflich und privat. Ich habe viele Interessen und Talente und möchte ihnen in meinem Alltag Raum geben – alles gut organisiert und zu seiner Zeit.

Aufgewachsen in einem Elternhaus, in dem Leistung zählt und es immer etwas zu tun gab, hatte Stille bis vor etwa fünf Jahren keinen bewussten Platz in meinem Leben – allenthalben im Schlaf oder bei Krankheit. Wenn mich jemand gefragt hätte, womit ich Stille verbinde, hätte ich sicherlich geantwortet: "Mit Stillstand". Stille ging für mich einher mit dem Gefühl, etwas zu verpassen, Lebenszeit zu vergeuden, meine Zeit nicht gut genug zu nutzen.

Im Jahr 2020 brach die berufliche Stille abrupt über mich herein - Corona. Lockdown. Alle Termine abgesagt. Auch wenn diese Phase nur wenige Tage dauerte, bis wir unser Geschäft online wieder aufnahmen, konfrontierte mich diese Stille mit Orientierungslosigkeit, Selbstzweifeln, Ohnmacht und Existenzangst. Stille hatte etwas Bedrohliches.

Dennoch fand ich den Mut, mich zu einem späteren Zeitpunkt der Stille noch einmal in meinem Tempo zu nähern, mich auf sie einzulassen. Anfangs gelang es nur wenige Sekunden. Irgendwann war die Minute geschafft.
Dann kamen wieder mal Tage, an denen gar nichts ging – zu präsent das Gedankenkarrussel, zu lang die To-Do-Liste.

Mittlerweile nehme ich mir den Raum der Stille bewusst. Regelmäßig. Ich richte in ihr meinen inneren Kompass neu aus, erweitere die Quelle meiner Kreativität. Gebe Geistesblitzen Raum. Aus meinem Inneren steigen Aspekte auf, die meinem Kopf verborgen blieben. Meine Körperpräsenz nimmt zu. Ich habe den Eindruck, dass Körper, Geist und Seele in dieser Stille zu einem verschmelzen. Zu mir.

Ich bin. Verbunden mit mir und mit allem, was ist.

Stress macht süchtig.
Ruhe fühlt sich an wie Entzug.

Dass wir Stille selten aushalten können, hat auch etwas mit unseren körperlichen Prozessen zu tun. Stress schüttet Hormone aus. Haben wir über längere Zeit Stress, empfindet unserer Körper den dadurch entstandenen Hormonspiegel als normal. Kommen wir zur Ruhe, sinkt der Pegel. Der Körper meldet Entzug.

Nur wer leistet, ist was wert

Stress zu haben, ist "schick".

Wenn wir Stress haben, gehören wir dazu. Sind wir wer. Wer keinen Stress hat, ist nicht ambitioniert genug, kein Leistungsträger.

Aus Angst vor kollektiver Abwertung, haben viele von uns Strategien entwickelt und die Begründungen dafür perfektioniert:

  • Lange To-Do-Listen: "Wenn ich es jetzt nicht erledige, dann...". Es macht ja keiner außer mir."
  • Volle Kalender ohne Pause: "Das schaffe ich." / "Der Vorstand kann nicht warten." / "Das ist halt so zum Jahresende." / "So lange ich gesund bin, ist doch alles ok."
  • Handy-Fokus: "Nur noch mal schnell die Mails checken."
  • Freizeit-Stress: "Mit denen müssten wir uns mal wieder treffen." / "Ein bisschen Kultur schadet uns auch nicht."/ "In den Bergen waren wir schon lange nicht mehr."
Durch die Ängste in die Stille

Wie bei jeder Strategie stellt sich auch bei diesen Strategien die Frage: Wie dienlich sind sie uns noch?

Was verlieren, was gewinnen wir, wenn wir sie ändern?

Ein erster Schritt in diesem Strategie-Wechsel ist das Bewusstsein für die Ängste, die hinter der Strategie liegen.

  • Was ist das Gefühl, das Sie mit Stille verbinden?
  • Was glauben Sie, was sich in diesem vermeintlich leeren Moment zeigt?
  • Womit könnte Sie diese Stille überfordern?
  • Was könnte über Sie hereinbrechen, was Sie die Kontrolle verlieren lässt?

Ist die Angst hinter der Strategie bewusst, können wir uns ihr zuwenden und Handlungsalternativen entwickeln, die die bisherigen Strategien nach und nach obsolet werden lassen.

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Erste Schritte auf einem neuen Weg

Weniger und häufiger ist Mehr

Wenn wir tief verankerte Muster verändern wollen, ist es wichtig, unserem System viele kleine, wiederkehrende Erfahrungsräume zu öffnen. Das gibt nicht nur Sicherheit, es unterstützt auch unser Gehirn, "alte Autobahnen" zu verlassen und aus neuen "Trampelpfaden" neue "Autobahnen" zu bauen.

Deshalb meine Empfehlung: Führen Sie Rituale ein, bei dem jedes für sich maximal 1 Minute dauert.

 

Das Morgenritual

Beginnen Sie jeden Tag mit einer Minute, in der Sie Ihre volle Aufmerksamkeit Ihrem Herzen schenken. Nehmen Sie nur wahr, wie es schlägt.

Die bewusste Gesprächspause

Achten Sie in Gesprächen bewusst darauf, am Ende eines jeden Satzes den Punkt mit einer Sekunde Pause zu belegen.

Die Pause nach der Frage

Achten Sie bewusst darauf, die Stille, die nach einer kraftvollen Frage entstehen kann, für 2-3 Sekunden auszuhalten und spüren Sie die Kraft, die in diesem "Nichts" liegt.

Das Abendritual

Beenden Sie Ihren Tag, in dem Sie Ihrem Herzen eine Minute Ihrer vollen Aufmerksamkeit schenken. Danken Sie ihm, dass es Sie so kraftvoll durch den Tag getragen hat. Nehmen Sie wahr, wie es schlägt.

Selbstverständlich können Sie weitere Rituale einführen, um sich der Stille auf Ihre ganz persönliche Art und Weise zu nähern.

Wenn Sie mögen, notieren Sie sich, was dadurch für Sie und für andere in Bewegung kommt.

  • Wo eröffnet die Stille einen Raum für Begegnung?
  • In welchen Momenten erhöht die Pause am Satzende Ihre Präsenz?
  • Wodurch dankt Ihnen Ihr Körper die 2 Minuten täglichen Fokus auf Ihr Herz?

Ich bin gespannt, was sich für Sie ganz persönlich in der Stille eröffnet. Wenn Sie möchten, teilen Sie es mit mir. Es würde mich freuen.

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