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Alles super! Oder nicht?
Von gespielter Harmonie hin zu einem ehrlichen Miteinander

von Sabine Walter

Portrait der Unternehmerin Sabine Walter

Kennt ihr das?

Alle sitzen im Team Jour fixe. Es wird viel geredet. Der Tenor lautet: „Läuft doch ganz gut.“ Und gleichzeitig spürt man sehr deutlich: Das stimmt nicht. Im Team herrscht große Unzufriedenheit und dennoch tragen alle die Harmonie-Maske.

Ich hatte genau diese Erfahrung vor einigen Tagen. Ich nahm im Rahmen eines Mirroring an einem Team Jour fixe teil. Meine Aufgabe war es, das Geschehen zu spiegeln und  Unausgesprochenes besprechbar zu machen.

Die zentrale Frage, an der ich im Nachgang zu dem Jour fixe mit dem Team gearbeitet habe, lautete: "Was braucht ihr, damit ihr ehrlich ansprecht, was euch bewegt?"

Die Essenz daraus teile ich in diesem Newsletter mit euch.

5 Schritte hin zu einem ehrlichen Miteinander
  1. Fakten benennen
    Beobachtbares beschreiben, nicht Vermutungen oder Interpretationen.
  2. Wertfreiheit sicherstellen
    Die Ist-Situation nicht in „gut“ oder „schlecht“ einordnen, sondern fragen:
    Ist das aktuell dienlich oder nicht dienlich für unser Ziel?
  3. Verantwortung statt Schuld
    Wenn Kritik geübt wird, geht es nicht um Schuld, sondern um Verantwortung. Diese Verantwortung bezieht sich auch auf die ehrliche Kommunikation und liegt zu 100 % bei jedem einzelnen Teammitglied.
  4. Zukunftsbild entwickeln
    Einen Vorschlag einbringen oder gemeinsam überlegen, wie ein neues Ist aussehen kann.
  5. Zum Experiment einladen / kleine Schritte gehen
    Veränderung muss nicht perfekt sein – sie muss beginnen. Das gelingt besser mit kleinen Schritten, die über einen definierten Zeitraum getestet werden. Am Ende dieses Zeitraumes besprecht ihr das Ergebnis und entscheidet, wie ihr weiter vorgeht.
Wie könnt ihr das kommunikativ umsetzen?

Eine mögliche Kommunikation am Beispiel der Projektarbeit:

1. Ist-Situation wertfrei beschreiben

„Ich habe mir unser Projekt angeschaut und die geplanten fünf Meilensteine mit dem aktuellen Stand verglichen. Zwei davon haben wir erreicht, drei liegen hinter dem ursprünglichen Plan. Gleichzeitig arbeiten viele von uns regelmäßig über der vereinbarten Kapazität.“

2. Eine persönliche Beobachtung teilen und eine Frage formulieren

„Mich beschäftigt das, weil ich merke, wie viel Energie wir investieren – und trotzdem nicht dort ankommen, wo wir hinwollen. Daher frage ich mich: Was brauchen wir, um die nächsten zwei Meilensteine verlässlich zu erreichen, ohne weiter Überstunden aufzubauen?“

3. Einen eigenen Vorschlag einbringen

„Ein möglicher Hebel aus meiner Sicht: Wir priorisieren radikaler und reduzieren bewusst den Scope. Statt alles gleichzeitig voranzutreiben, fokussieren wir uns für die nächsten vier Wochen nur auf die Themen X und Y.“

 

Ergänzend könntet ihr noch Vorteile dieses Vorschlags benennen und einen möglichen Einwand vorwegnehmen, damit euer Vorschlag an Kraft gewinnt.

4. Zum Experiment einladen

„Seid ihr einverstanden, dass wir diesen Fokus für vier Wochen ausprobieren und dann gemeinsam schauen, was sich verändert hat?“

Mit dem zeitlich begrenzten Experiment senkt ihr die Hürde und erhöht die Bereitschaft, eurem Vorschlag zu folgen.

Fazit

Ein ehrliches Miteinander entsteht nur, wenn wir Situationen und Verhaltensweisen, die uns nicht dienlich sind, klar benennen. Damit das gelingt, brauchen wir eine wertfreie Haltung und Kommunikation.

Ich lade euch ein, die Harmonie-Maske abzulegen und ehrlich das auszusprechen, was ohnehin im Raum steht. Wertfrei und ohne Schuldzuweisung. Dann kann sich etwas ändern.

Unser Team braucht mehr Ehrlichkeit.

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Sabine Walter

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