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Macht
Im Spannungsfeld zwischen Missbrauch und Gestaltungskraft

von Sabine Walter

Portrait der Unternehmerin Sabine Walter

Wenn wir auf unternehmerischer, gesellschaftlicher oder weltpolitischer Ebene Dinge im Sinne einer neuen Menschlichkeit verändern wollen, brauchen wir Macht.

Gleichzeitig ist Macht im öffentlichen Diskurs stark negativ besetzt. Gerade in unserer aktuellen Zeiten wird vielerorts die destruktive Seite der Macht sichtbar und zeigt sich durch Missbrauch, Unterdrückung anderer und der Durchsetzung persönlicher Interessen.

Da Transformation ohne Macht nicht möglich ist, möchte ich in diesem Newsletter die verschiedenen Facetten von Macht beleuchten und Impulse geben, wie du in deine gestalterische Macht findest und sie bewusst in den Dienst der Gemeinschaft stellst.

Die entscheidende Frage ist nicht, ob du Macht ausüben darfst –
sondern wie du deine Macht nutzt.

Destruktive Macht -
der Gegenpol zur Ohnmacht

Destruktive Macht, wie eingangs beschrieben, resultiert oft aus der Angst vor Kontrollverlust sowie der Angst in die Ohnmacht, also die Handlungsunfähigkeit, abzugleiten. Destruktive Macht ist also der Gegenpol zur Ohnmacht.

Destruktive Macht zeigt sich nicht nur auf politischer oder gesellschaftlicher Ebene. Sie wirkt auch in Organisationen:

  • in starren Hierarchien und Entscheidungsmonopolen
  • in Informationsintransparenz und Silodenken
  • in Strukturen, die Anpassung belohnen und kritisches Hinterfragen sanktionieren
  • in Entscheidungen, die Einzelinteressen über das Gemeinwohl stellen

Wo Macht vor allem der Selbstabsicherung dient, beschneidet sie die Wirksamkeit anderer. Menschen ziehen sich zurück, übernehmen weniger Verantwortung und erleben ihren Einfluss als begrenzt. Ein Ohnmachtsgefühl entsteht. Die Opferhaltung nimmt zu. Passivität und innere Kündigung sind Folgen.

Wie lässt sich konstruktive von destruktiver Macht unterscheiden?

Macht per se ist weder gut noch schlecht. Macht ist kraftvoll.
Sie bedeutet: Einfluss nehmen zu können. Ob sie konstruktiv oder destruktiv ist, hängt von ihrer Wirkung ab.

Konstruktive Macht gestaltet im Sinne der Gemeinschaft.
Destruktive Macht gestaltet im Sinne des eigenen Egos.

Wie die eigene Macht wirkt, kann jeder jedes Mal neu entscheiden. Leitfragen, die dir bei der Entscheidung helfen können, sind:

  • Wem dient das, was ich tue oder entscheide? Mir oder der Gemeinschaft?
  • Wem nutzt diese Struktur?
  • Wem dient diese Entscheidung? Welche Auswirkungen hat sie auf das Team bzw. das Unternehmen? Dient sie zur Absicherung meiner Position oder zur Stärkung von Zusammenarbeit, Vertrauen und Verantwortung im System?
Aus der gefühlten Ohnmacht in die Wirkungskraft

Ohnmacht (wörtlich: ohne Macht) verhindert Veränderung. Sie zeigt sich auch in der Kommunikation. Sätze wie:

  • „Ich bin nicht zuständig.“
  • „Da kann ich nichts machen.“
  • „Die Entscheidung kommt von oben.“
  • „So ist eben das System.“
  • „Das liegt nicht in meiner Macht.“

sind Teil des Ausdrucks. Jedoch ist Ohnmacht kein absoluter Zustand – sondern eine subjektive Bewertung der eigenen Gestaltungskraft.

Sollten in deinem Umfeld Menschen dieses Ohnmachtsgefühl äußern, ermuntere sie, die eigene Wirkungskraft zu erfahren und prüfe, in welchen Bereichen deines Umfeldes destruktive Macht bewusst oder unbewusst ausgeübt wird.

Für Führungskräfte heißt das:

  • Das Ohr am Team haben
  • Die eigene Macht analysieren und im Sinne der konstruktiven Wirkung verändern
  • Das Selbstvertrauen und die Selbstwirksamkeit der einzelnen Teammitglieder auch durch Feedback und Mitarbeiterentwicklung stärken

Solltest du selbst das Gefühl haben, ausgeliefert zu sein, helfen dir diese Leitfragen in deine persönliche Gestaltungskraft zu kommen:

  • Welchen Teil dieser Situation kann ich konkret beeinflussen?
  • Wo habe ich Entscheidungsspielraum – auch wenn er kleiner ist, als ich es mir wünsche?
  • Wo kann ich stärker loslassen, damit andere wirken können?
  • In welchen Bereichen kann ich mehr Transparenz schaffen, um anderen die Mitarbeit zu erleichtern?
  • Was muss ich ansprechen, damit sich andere ihres Verhaltens und dessen Auswirkungen bewusst werden?

Beispiel aus dem beruflichen Alltag

In einem Team herrscht spürbare Spannung. Alle erledigen ihren 9-to-5-Job im funktionalen Abarbeitungsmodus. Entscheidungen werden zäh, Probleme und Fehler vertuscht, Konflikte unter der Decke gehalten.

Aus einer Haltung der Ohnmacht könnten folgende Sätze fallen:

  • „Die Kollegen sind schwierig.“
  • „Ich habe ohnehin nur noch ein Jahr bis zur Rente.“
  • „Wieso macht der Chef denn nichts.“
  • „Wenn ich hier was zu sagen hätte, dann ...“
  • „Wir haben doch sowieso nichts zu melden.“

Aus einer konstruktiven Machthaltung heraus, würde folgendes Verhalten sichtbar werden:

  • Spannungen werden von jedem respektvoll und klar angesprochen.
  • Jeder übernimmt zu 100% Verantwortung das Miteinander im Team und die eigene Kommunikation.
  • Jeder bringt Impulse für eine vertrauensvolle Zusammenarbeit ein.
  • Es wird aktiv zugehört.
  • Meinungsvielfalt darf sein.
  • Konstruktives Feedback, das Bewusstsein für ihr Verhalten und dessen Auswirkungen schenkt, wird regelmäßig gegeben und auch erbeten.

Auch wenn sich vielleicht nicht sofort die gesamte Teamkultur verändert, so wandelt sich die Ohnmacht sukzessive in Gestaltungskraft und ein vertrauensvolleres Miteinander wird in diesem Team möglich.

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Fazit

Wenn wir die Herausforderungen unserer Zeit meistern und unser Miteinander im Sinne einer neuen Menschlichkeit nachhaltig gestalten wollen, brauchen wir mehr Menschen, die ihre konstruktive Macht bewusst ausfüllen.

Deshalb lade ich dich ein:
Sei dir deiner Wirkungskraft bewusst und nutze sie im Sinne der Gemeinschaft.

So gelingt es:

1. Nimm das Wort „Macht“ aus der moralischen Bewertung.
Erkenne deine konstruktive Macht als Gestaltungskraft an.

2. Triff eine bewusste Entscheidung. Zum Beispiel:
„Ich nutze meinen Einfluss konstruktiv und stelle meine Wirkungskraft in den Dienst der Gemeinschaft.“

3. Handle im Alltag bewusst.
Nutze dafür die Leitfragen, wenn sie dir dienen.

4. Beobachte die Wirkung.
Wo entsteht mehr Klarheit? Mehr Vertrauen? Mehr Verantwortung?

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