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Sprechen wir von Resilienz, sprechen wir von der Fähigkeit, auch in herausfordernden Situationen aus unserer Mitte – also im Einklang von Kopf und Herz – zu handeln. Wir behalten den Überblick, nehmen mit Klarheit wahr und folgen unserer Intuition, die uns wie ein Kompass durch die Erfahrung navigiert. Ist die Situation vorbei, lassen wir los, sowohl emotional als auch in Gedanken. Die Situation beschäftigt uns nicht mehr.
Bildlich gesprochen, bedeutet Resilienz, auch bei stürmischer See das Vertrauen in die eigene Handlungsfähigkeit zu erhalten und auf der Welle zu surfen - so lange, bis die nächste kommt. |
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Ich möchte dir in diesem Newsletter – losgelöst von den Resilienzmodellen der Literatur – eine Perspektive auf das Thema schenken und konkrete Impulse geben, wie du deine Resilienz stärken kannst. |
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Di-Stress, der Stress, der unsere Resilienz schwächt
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Es gibt zwei Arten von Stress: Eu-Stress und Di-Stress.
Während Eu-Stress kurzfristig unsere Aufmerksamkeit und Leistungsfähigkeit steigert, sorgt dauerhafter Di-Stress dafür, dass wir diese verlieren.
Eu-Stress kennen wir beispielsweise aus Sportwettkämpfen, von Bühnenauftritten oder wichtigen Gesprächs- oder Präsentationssituationen. Er hilft uns, den Fokus zu halten und das zu geben, was in uns steckt.
Di-Stress resultiert aus dem Gefühl der Überforderung, geht mit Angst und Ohnmacht einher. Unser System schaltet bewusst oder unbewusst in den Überlebensmodus und beschränkt unsere Handlungsfähigkeit auf drei Ausdrucksformen: angreifen, erstarren, flüchten. |
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Wie kannst du Di-Stress senken und Resilienz stärken?
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Ich möchte an dieser Stelle ein Vorgehen mit dir teilen, das dir hilft, die Ursachen hinter dem Di-Stress zu finden und diese Stück für Stück zu lösen, so dass deine Resilienz zunimmt. |
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Schritt 1: Analyse der Ist-Situation
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Zu verstehen, was – bewusst oder unbewusst – zu Stress führt und dabei in unserem System passiert, ist ein erster entscheidender Schritt, um etwas zu verändern. Folgende Leitfragen sollen dir dabei helfen, ein konkretes Bild für deine Stress-Situationen, dahinter liegende Treiber und automatisierte Handlungsmuster zu bekommen:
- Was genau stresst dich?
- Durch welche(n) Trigger wird dieser Stress ausgelöst?
- Wo hast du das schon mal erlebt?
- Welche Emotion ist oder welche Emotionen sind in dieser Situation stark präsent?
- Welche Gedanken gehen dir durch den Kopf?
- Wie reagiert dein Körper auf die Stress-Situation?
- Was ist dein Handlungsautomatismus (Angriff, Erstarrung, Flucht)?
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Beispiel aus dem beruflichen Alltag
Tim ist für drei Projekte gleichzeitig verantwortlich. Bisher laufen diese stabil und er hat alle anstehenden Aufgaben im Blick. Aufgrund verschiedener Umstände, die er nicht beeinflussen kann, ändert sich im Projekt C die Zielsetzung. Das, was bisher für das Projekt getan wurde, verliert an Relevanz, Meilensteinpläne sind hinfällig. Abstimmungen nehmen zu. Zeit, die Tim für die Projekte A und B geplant hat, muss er Projekt C widmen. Die Projektmitarbeiter von A und B nehmen Tim Aufgaben ab und signalisieren ihm immer wieder, dass sie alles im Griff haben und die Projekte weiterhin stabil laufen.
Dennoch nimmt Tims Stresspegel zu. Er macht kaum Pausen, verfällt in Aktionismus, sein Umgangston wird rauer. Tim schläft schlecht und geht bei Kleinigkeiten an die Decke. Er fühlt sich überfordert. |
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Im Coaching gehe ich mit Tim die o.g. Leitfragen durch.
Wir identifizieren, dass die hinter dem Stress liegende Ursache die Angst vor Kontrollverlust ist. Diese Angst wird gespeist aus der Angst zu versagen. Beide Ängste quittiert Tim's Körper nicht nur durch nächtliches Gedankenkreisen und Schlaflosigkeit sondern auch durch angespannte Schultern, Schmerzen im Rücken und ein Druck auf dem Brustkorb. |
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Schritt 2: Frühere dazu passende Schmerzerfahrung finden
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In unserem Gespräch wird Tim klar, dass die Überforderung, die sein System in den "Angriff" (Aktionismus, rauer Umgangston) schickt nicht aus der Situation selbst resultiert (Zieländerung) sondern aus einer alten Schmerzerfahrung, die Tim als 5-jähriges Kind gemacht hat, als er bei einer Nachtwanderung die Orientierung verloren hat und eine Weile allein durch den Wald geirrt ist.
Wir identifizieren gemeinsam, welche Gedanken, Gefühle, Körperempfindungen und Handlungsautomatismen zu dieser alten Schmerzerfahrung gehören, bevor wir diese in Liebe verabschieden. |
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Schritt 3: Neue Handlung definieren
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Tim und ich vereinbaren gemeinsam, welche neue Handlungen er die nächsten 3 Wochen in seinen Alltag integriert, um aus dem bisherigen Automatismus auszusteigen und so Wandel in die Stressoren seines Systems zu bringen. |
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Schritt 4: Veränderung bewusst machen
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Im nächsten Coaching wirkt Tim ruhiger. Er erzählt, dass er mehr im Austausch mit den Kollegen ist, zuhört und gemeinsam mit ihnen das Vorgehen definiert.
Darüber hinaus nimmt sich Tim jeden Morgen und jeden Abend Zeit, bewusst mit sich in Kontakt zu kommen, indem er sich 3 Minuten auf seinen Atem konzentriert und seinen Herzschlag wahrnimmt.
Vor dem Einschlafen trinkt Tim in Ruhe einen Tee. Außerdem nimmt er seine Mittagspause wieder wahr.
Tims Verstand hat realisiert, dass Tim nicht allein die Verantwortung trägt, ans Ziel zu kommen, sondern ein ganzes Team mit ihm an dessen Erreichung arbeitet.
Aus diesem emotionalen Abstand zu seinen Projekten kann Tim sogar anerkennen, dass die Zielveränderung in Projekt C absolut Sinn macht und sogar ermöglicht, den ursprünglichen Zeitplan mit mehr Leichtigkeit einzuhalten. |
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Um die eigene Resilienz zu stärken, empfehle ich dir, genau zu verstehen, was Stress bei dir auslöst und welche Automatismen in deinem System ablaufen. |
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1. Nimm dir die Zeit, Situationen, die dich stressen, im Detail zu analysieren. Suche dir dazu bei Bedarf einen Sparringspartner, der dich durch die Fragen führt.
2. Finde, wie bei einem Memory-Spiel die zur aktuellen Situation passende Ursprungserfahrung. Finde heraus, welche Gedanken, Gefühle und Körperempfindungen in diese Ursprungserfahrung gehören.
3. Durchbrich deinen Handlungsautomatismus, in dem du etwas anders machst als bisher. Es gilt: Weniger und konsequent ist mehr.
4. Beobachte die Wirkung und gib Kopf und Herz die Chance, auf den gleichen, neuen Erfahrungsstand zu kommen.
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