Digital Leadership: Virtuelle Fußballspieler schweben im Stadion - managementberatung | coaching
Foto | Sergey Nivens on Shutterstock
5 Min.

Organisationsentwicklung | Mitarbeiterführung

Virtuelle Teams effektiv führen

Von Sabine Walter, Head of netzwerk managementberatung | coaching

In der modernen Arbeitswelt sind virtuelle Teams längst keine Ausnahme mehr. Mit der fortschreitenden Digitalisierung und Globalisierung setzen Unternehmen zunehmend auf flexible Arbeitsmodelle. Doch wie führt man diese? Diese Frage haben längst noch nicht alle Führungskräfte abschließend für sich beantwortet. In diesem Artikel erläutere ich, wie Ihnen die Führung virtueller Teams gelingt.

Virtuelle Teams effektiv führen – so gelingt’s.

Schritt 1: Identifikation mit Zielen und Aufgaben sicherstellen

Virtuelles Arbeiten birgt bei einigen Führungskräften die Sorge, Produktivität und Führungswirksamkeit zu verlieren. Werden die Mitarbeiter auch im Home-Office alles erledigen, was zu erledigen ist? Wie erreiche ich meine Mitarbeiter, wenn ich Ihnen neue Aufgaben übertragen oder Dinge abstimmen möchte? Wie stelle ich sicher, dass definierte Regelungen eingehalten werden?

Produktivität und Führungswirksamkeit hängen nicht per se von physischer Präsenz im Büro ab. Produktivität ist gegeben, wenn Mitarbeiter wie Führungskräfte sich mit den Zielen und Aufgaben identifizieren. Das tun sie, wenn sie an deren Definition mitwirken und einen Sinn in ihrem Tun sehen. Ich lade Sie daher ein, sich Zeit für eine Einschätzung Ihres Teams aus einer übergeordneten Perspektive zu nehmen:

  • Wie gut kennen Sie das Warum Ihrer Mitarbeiter?
  • Inwieweit findet sich dieses Warum in den Aufgaben der Mitarbeiter wieder?
  • Inwieweit stehen die Mitarbeiter hinter den definierten Zielsetzungen des Teams?

Identifikation mit Zielsetzung und Aufgabe ist eine Grundvoraussetzung für intrinsisch motiviertes Verhalten – egal, ob man im Home-Office arbeitet oder im Büro. Und klar definierte Ziele, hinter denen Mitarbeiter stehen und für deren Erreichung sie sich engagieren, sind eine entscheidende Säule der Führungswirksamkeit.

Virtuelle Teams führen – so gelingt’s.

Schritt 2: Zielklarheit schärfen

Je klarer die Ziele für den jeweiligen Mitarbeiter sind, desto größer ist die Chance, dass diese erreicht werden. In vielen Unternehmen finden die Zielsetzungsgespräche zu Beginn des Kalender- oder Geschäftsjahres statt. Der Blick auf die Zielerreichung erfolgt in der Regel 12 Monate später. Dieses Vorgehen ist in unserer schnelllebigen Welt obsolet. Definieren Sie kurzfristige Ziele, die Sie monatlich auf deren Relevanz prüfen. Folgende Leitfragen helfen Ihnen bei diesem Prozess:

  • Was genau (Ergebnis) muss bis wann in welcher Form vorliegen?
  • Was braucht es an Entscheidungen und von wem, damit das Ergebnis wie vereinbart erreicht werden kann?
  • Welche Ressourcen sind für eine erfolgreiche Umsetzung erforderlich?

Virtuelle Teams führen – so gelingt’s.

Schritt 3: Vertrauensvorschuss gewähren

Auch wenn Vertrauen nichts ist, was auf Knopfdruck hergestellt werden kann, empfehle ich Ihnen, loszulassen und Ihren Mitarbeitern einen Vertrauensvorschuss zu gewähren. Das ist eine Investition, die sich auszahlt und die in den meisten Fällen dazu führt, dass das Verantwortungsbewusstsein der Mitarbeiter wächst.

Schauen Sie auf jeden Mitarbeiter individuell und überlegen Sie in einem ersten Schritt: „Wie viel Freiraum kann jeder aus meinem Team verantwortungsvoll füllen? Wie viele Leitplanken und Führung braucht jeder, um nicht überfordert zu sein?“ Erfahrungsgemäß wächst der Freiraum sukzessive, die „Leine“ wird länger.

Wenn Sie für sich ein klares Bild haben, besprechen Sie das mit jedem Mitarbeiter. Legen Sie gemeinsam fest, welche Rahmenbedingungen nötig sind, um gut arbeiten zu können. Dazu zählen vor allem Kommunikationsräume und -zeiten.

Virtuelle Teams führen – so gelingt’s.

Schritt 4: Klare Rahmenbedingungen schaffen

Damit virtuelle Teams produktiv sind und der Teamspirit erhalten bleibt, braucht es klare Regelungen zur Erreichbarkeit und eine regelmäßige und vertrauensvolle Kommunikation – 1-on-1 und im Team.

Eine regelmäßige Kommunikation schafft Transparenz. Transparenz trägt dazu bei, dass Vertrauen wächst. Daher ist es gerade bei mobilem Arbeiten wichtig, dass Kommunikationsräume wie ein Jour fixe oder regelmäßige 1-on-1 stattfinden.

Da viele Mitarbeiter das Home-Office auch nutzen, um Familie und Beruf besser vereinbaren zu können, ist es wichtig, dass die gemeinsamen Kommunikationszeiten in Zeitfenstern liegen, die für alle passen. Gleichermaßen empfehle ich, kommunikationsfreie Zeiten festzulegen. In diesen können Eltern beispielsweise, die Kindern beim Lernen unterstützen, mit ihnen spielen oder Haushaltsbeschäftigungen nachgehen.

Virtuelle Teams führen – so gelingt’s.

Schritt 5: kreativer Pragmatismus statt bewährter Perfektionismus

Unternehmen sind gefordert, vielen Herausforderungen gerecht zu werden. Digitalisierung, sich ändernde Märkte, Fachkräftemangel sind nur drei Themen, die Mitarbeitern und Führungskräften Veränderungen abfordern. Um Ihre Teams damit nicht zu überlasten, sind pragmatische Entscheidungen und die Offenheit, neue Wege zu gehen, gefragt.

Setzen Sie neue Dinge kleinschnittig um und sammeln Sie Erfahrungen. Das bringt Sie schneller voran, als das lange Entwickeln vermeintlich perfekter Lösungen. Und wenn der Weg, den Sie eingeschlagen haben, nach einer Zeit nicht mehr stimmig ist, passen Sie ihn an.

Virtuelle Teams führen – so gelingt’s.

Schritt 6: Teamspirit aktiv fördern – Erfolge feiern

Die Schlüsselfrage, die es im Team zu lösen gilt und bei der Ideen willkommen sind, lautet: Wie können wir das Vertrauen im Team erhalten, auch wenn wir uns nicht alle täglich im Büro sehen?

Eine entscheidende Maßnahme dabei ist, die Kommunikation und den Wissenaustausch untereinander weiterhin zu gewährleisten, die gegenseitige Unterstützung sicherzustellen und vor allem einen Raum zu schaffen, in dem Konflikte auch über digitale Medien vertrauensvoll und offen angesprochen und konstruktiv gelöst werden können.

Noch wichtiger ist es aber aus unserer Sicht, über Erreichtes zu sprechen, das zu dokumentieren und Erfolge zu feiern. Dafür sollten Sie regelmäßig gemeinsame Teamevents durchführen.

Fazit: Virtuelle Teams führen

Das Führen virtueller Teams birgt viele Chancen. Nutzen Sie diese!

Eine 2022 veröffentlichte Studie des Weizenbaum-Institutes bestätigt, dass die Produktivität in virtuell arbeitenden Teams zugenommen hat, wenn die Rahmenbedingungen entsprechend definiert sind.

Der Schlüssel für produktives Arbeiten liegt nicht im Arbeitsmodell sondern in den Fragen:

  • Wie gut können Ihre Mitarbeiter Ihr Warum im Rahmen Ihrer Aufgaben leben?
  • Wie klar sind die Ziele?
  • Wie gut ist die Vertrauensbasis im Team?
  • Wie produktiv ist die Kommunikation miteinander?
  • Wie entscheidungsstark sind Sie?

Weiterführende Artikel zur Führung von Teams

Hochleistungsteams entwickeln

Was unterscheidet ein Team von einer Arbeitsgruppe, und was macht ein echtes Hochleistungsteam aus? Um diese Fragen geht es in diesem Artikel. Ferner hilft Ihnen unser Team Quick-Check dabei, eine eigene Bestandsaufnahme durchzuführen und Impulse für Ihre Teamentwicklung zu erhalten.

Hochleistungsteams entwickeln

Begegnungskultur

Wir Menschen sind und bleiben soziale Wesen – auch in einer digitalen Welt. Als soziale Wesen zählt Zugehörigkeit zu unseren elementaren Grundbedürfnissen. Neue Arbeitsformen und die Nutzung digitaler Kommunikationsmittel führen dazu, dass wir immer weniger Zeit im Büro verbringen. Deshalb ist es um so wichtiger, dass wir die gemeinsame Zeit im Büro für echte Begegnungen mit unseren Kollegen nutzen. Den Rahmen dafür zu schaffen, ist auch Aufgabe der Führungskräfte.

Begegnungskultur

Haben Sie beim Lesen des Beitrags Impulse erhalten?

Coaching buchen Whiteboard

Whiteboard Auswahl

Jetzt anrufen