Kündigung von Arbeitnehmern: Schachfigur wird umgestoßen - Trennungsprozesse wertschätzend gestalten - netzwerk managementberatung | coaching
Foto | Jirsak on Shutterstock
4 Min.

Unseren Newsletter abonnieren

Unseren Newsletter versenden wir etwa einmal im Monat, und geben Tipps und Informationen rund um die Themen Führungskompetenz und Organisationsentwicklung. Sie können das Abonnement jederzeit widerrufen und sich abmelden. Ihre hier angegebene E-Mail-Adresse verwenden wir ausschließlich für den Newsletterversand und geben sie nicht an Dritte weiter.

Mitarbeiterführung | Kündigung

Ene, mene, muh – raus bist du. Dos & Don’ts in Trennungsprozessen.

Von Dr. Julia Friemel und Sabine Walter

Wir nennen sie Monika. Monika war über zwanzig Jahre in einem Unternehmen beschäftigt. Sie hat sich engagiert. Nie erhielt sie schlechtes Feedback zu ihrer Arbeit. Dann – ene, mene, muh – kam der Brief. Unangekündigt. Monika ersuchte ein Gespräch. Nichts. Keiner wollte es ihr erklären. Die Verärgerung bei Monika wuchs. Zwanzig Jahre gute Arbeit und dann das? Monika suchte sich eine Anwältin, sie klagte und gewann. Das Ergebnis: eine zerrüttete Beziehung, ein schlechtes Arbeitgeberimage, immense Prozesskosten, eine hohe Abfindung.

Kündigungs- und Trennungsprozesse sind für alle Beteiligten eine große Herausforderung. Oft verlaufen die Trennungsgespräche mit den betroffenen Mitarbeitern im Vergleich zu anderen Gesprächen sehr emotional. Auch ist die Heftigkeit der Reaktionen oft nicht im Vorfeld kalkulierbar. Das führt dazu, dass diese Gespräche hinausgezögert, unzureichend vorbereitet – oder wie in Monikas Fall – gar nicht geführt werden.

Trennungsgespräche sind gut vorzubereiten

Vom Mitarbeiter wird die Trennung nicht selten als Abbruch der beruflichen Kontinuität, als Karriereknick, als Störung im Lebenslauf, als Misserfolg oder persönliches Versagen erlebt. Daher ist es um so wichtiger, dass die Trennung gut vorbereitet und das Gespräch in Ruhe geführt wird.

Wir erleben es immer wieder, dass Führungskräfte der Meinung sind, dass sich die Kündigung einer einzelnen Person nicht auf das Umfeld auswirkt. Das ist ein Trugschluss. Denn von der Trennung sind in der Regel weitaus mehr Personen betroffen als die direkt arbeitsvertraglich verbundenen Parteien. Und so wird auch immer eine Vielzahl an Personen davon erfahren, wenn ein Trennungsprozess als ungerechtfertigt, unfair, nicht wertschätzend oder schlecht organisiert erlebt wird. Die Stimmung im Unternehmen wird negativ und nachhaltig beeinträchtigt. Motivation und Produktivität der Verbleibenden sinken, das Image des Arbeitgebers am Markt nimmt Schaden. 

Während Unternehmen das Ziel haben sollten, eine Trennung möglichst ohne Verzögerungen, ohne Ärger, ohne Arbeitsgericht, ohne Imageschaden und ohne Kostenexplosion durchzuführen, wollen die von der Trennung Betroffenen dagegen in der Regel in dem gesamten Trennungsprozess das Gesicht wahren, eine finanzielle Kompensation sowie einen Arbeitsplatz mit Perspektive. In einem wertschätzenden und fairen Trennungsprozess sollten sowohl den Bedürfnissen des Arbeitgebers als auch des Mitarbeiters Rechnung getragen werden. 

Eine gute Trennungskultur als Chance für Unternehmen und Mitarbeiter

Eine gute Trennungskultur bedeutet also nicht, dass es keine Trennungen geben darf. Es bedeutet vielmehr, dass durch einen überlegten Trennungsprozess, Risiken, die mit der Trennung einhergehen, auf beiden Seiten des Verhandlungstisches minimiert werden können. Denn: Ein Personalabbau eröffnet auch Chancen für das Unternehmen und dessen verbleibende Mitarbeiter. So können neue Personalstrukturen z.B. zur Verbesserung der Leistungsmotivation, zum Rückgang von Krankheitszeiten, zum Anstieg der Innovations- und Veränderungsbereitschaft oder zu einer besseren Teamwork führen.

Nachstehend einige Dinge, die Sie im Trennungsprozess unbedingt beachten sollten:

  • Machen Sie sich im Vorfeld mit der juristischen, organisatorischen und zwischenmenschlichen Seite von Trennungen im Arbeitsleben vertraut.
  • Stimmen Sie die Gesprächsinhalte mit allen am Trennungsprozess Beteiligten vor dem Gespräch ab, um im Unternehmen mit „einer Stimme“ zu sprechen. 
  • Definieren Sie vorbereitend ein Trennungspaket, das Sie im Gespräch anbieten.
  • Führen Sie die Gespräche anhand einer verlässlichen Struktur. Halten Sie diese Struktur als Gesprächsrahmen ein; egal, was passiert.
  • Kommunizieren Sie verständlich, um bei Beteiligten und Belegschaft Akzeptanz für die Trennungzu finden.

Oft passiert es, dass die von der Trennung betroffenen Mitarbeiter im Gespräch sehr emotional reagieren. Sie sollten Verständnis dafür zeigen und etwas Raum für diese Emotionen lassen. Wenn es angemessen ist, können Sie auch eine kleine Pause im Gespräch machen. Inhaltlich führen Sie das Gespräch jedoch bis Ende. Am Gesprächsende besprechen Sie mit dem Mitarbeiter, wie dieser sicher nach Hause kommt.

Achten Sie auch darauf, dass die Trennung so organisiert ist, dass die Aufgaben und Unterlagen in guter Form übergeben und der Nachfolger auch mit den nicht dokumentierten Besonderheiten des Arbeitsbereichs vertraut gemacht wird.

Unabhängig davon, was die Trennungsursache ist, sollte das Unternehmen dem ausscheidenden Mitarbeiter Raum geben, sich von den Menschen, Orten und Aufgaben angemessen zu verabschieden.

Hätte Monikas Unternehmen nur einige der vorgenannten Punkte beachtet, wären die emotionale Zäsur, die diese Trennung in Monikas Leben verursacht hat, kleiner ausgefallen. Vor allem aber hätte sich der finanzielle Schaden und der Imageschaden für Monikas Unternehmen vermeiden lassen.

Haben Sie beim Lesen des Beitrags Impulse erhalten?

Newsletter abonnieren

Unseren Newsletter versenden wir etwa einmal im Monat, und geben Tipps und Informationen rund um die Themen Führungskompetenz und Organisationsentwicklung. Sie können das Abonnement jederzeit widerrufen und sich abmelden. Ihre hier angegebene E-Mail-Adresse verwenden wir ausschließlich für den Newsletterversand und geben sie nicht an Dritte weiter.

Whiteboard Auswahl

Melanie Vinci
Foto | persona service

Unternehmergespräch mit Melanie Vinci

„Als Personaldienstleister haben wir einen der wenigen Jobs, die die Kraft haben, im Laufe der Jahre nicht langweiliger, sondern spannender zu werden.“, sagt Melanie Vinci, Mitglied der Geschäftsleitung des Personaldienstleisters persona service. Warum sie das sagt, lesen Sie in diesem Unternehmergespräch.
Unternehmer Horst Biallowons
Foto | Horst Biallowons

Unternehmergespräch mit Horst Biallowons

Horst Biallowons ist Journalist und Unternehmer aus Leidenschaft. Gemeinsam mit seinem Team betreibt er die Internetplattform biallo.de. Mit Sabine Walter sprach darüber, wie er er seine Neugierde zum Beruf gemacht hat.
Unternehmensführung: Roulette dreht sich
Foto | Aerial Mike on Shutterstock

Unternehmensführung: Wachstum um jeden Preis verliert.

Als Indikator für unternehmerischen Erfolg gilt Wachstum. Jährlich, idealerweise zweistellig. Doch Wachstum um jeden Preis in einer übersättigten Gesellschaft ist schädlich. Unternehmen und die Gesellschaft spüren bereits erste Folgen: Stressbedingte Krankheiten, innere Kündigung, Burnout. Wir entwickeln in diesem Artikel ein Szenario, das aufzeigt, wie gesundes Wachstum entstehen kann. Und wir sensibilisieren für alternative Kennzahlen und Steuerungsgrößen.
Zum Whiteboard
Kontaktieren Sie uns