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Teamentwicklung — Praxistipps und Beispiele

Teambuilding – Der Weg zu einem vertrauensvollen Miteinander

Von Sabine Walter, Head of netzwerk managementberatung | coaching

Viele Teams beschäftigen sich in der Regel einmal jährlich mit den Maßnahmen und Schwerpunktthemen, die auf der inhaltlichen Agenda für das Jahr stehen. Zu wenig Beachtung findet dabei die zwischenmenschliche Komponente. Das ist kritisch, da es erwiesen ist, dass die Sachthemen in Organisationen dann schneller vorankommen, wenn die Menschen vertrauensvoll und zugewandt miteinander kooperieren.

Ich empfehle deshalb, quartalsweise ein Blick auf das gemeinsame Miteinander und die inhaltliche Arbeit zu werfen. Konkrete Ansätze dafür erhalten Sie in diesem Artikel.

Teamkultur Grundlagen

Merkmale gesunder Teams

In meinem Artikel „Teamentwicklung im Mittelstand“ erläutere ich, dass gesunde Teams sich im Kern durch fünf Faktoren auszeichnen:

  • Alle engagieren sich mit Kopf und Herz für die gemeinsamen Ziele.
  • Jedes Teammitglied hat genügend Entwicklungs- und Entfaltungsmöglichkeiten.
  • Alle Teammitglieder fühlen sich gleichermaßen gesehen, gehört und wertgeschätzt.
  • Alle vertrauen einander.
  • Alle fühlen sich sicher.

In dem Moment, in dem einer dieser Faktoren nicht oder nur schwach gegeben ist, leidet die gemeinsame Arbeit und das Risiko vermehrter Konflikte nimmt zu. Deshalb lohnt es sich, regelmäßig hinzuschauen, eine Bestandsaufnahme durchzuführen und aktiv am Miteinander zu arbeiten.

Teambuilding Vorgehen

Vorgehen zur Entwicklung eines Zielbildes und einer Strategie für ein gesundes und leistungsfähiges Team

Das bewährte Vorgehen, besteht aus 7 Schritten.

Der Weg zum vertrauensvollen Miteinander

VORGEHEN TEAMENTWICKLUNG IM ÜBERBLICK

1. Ist-Situation analysieren

Starten Sie in Ihren Prozess mit einer ehrlichen Bestandsaufnahme, z.B. in Form einer Teamanalyse.

2. Zielbild entwickeln

Damit das Zielbild für alle Mitglieder der Organisation verständlich wird, sollte es ausformuliert werden. Worauf Sie achten sollten, erkläre ich später im Artikel.

3. Maßnahmen ableiten

Definieren Sie, was Sie konkret tun wollen, um das angestrebte Zielbild zu erreichen.

4. Budget quantifizieren und Zeitbedarf planen

Wenn Sie eine Verbesserung im Miteinander erreichen wollen, brauchen Sie dafür eventuell Budget. Was Sie jedoch sicherlich brauchen, ist Zeit, um sich mit Dingen – ggf. auch im Team – beschäftigen zu können. Diese Zeit ist zwingend im Kalender einzuplanen.

5. Verantwortlichkeiten definieren

Die Umsetzung hat nur Aussicht auf Erfolg, wenn sich jemand der Maßnahmen annimmt.

6. Gemeinsame Review-Termine vereinbaren

Besprechen Sie im Team, in welchem zeitlichen Rhythmus und Rahmen Sie gemeinsam darauf schauen, wie Sie mit der Umsetzung der Maßnahmen und mit der Entwicklung der Teamkultur vorankommen.

7. Formulieren, wie Erfolge gefeiert werden

Erreichtes gemeinsam zu feiern ist auch im Rahmen eines Teambuildings zentral. Überlegen Sie sich, wie dieses aussehen kann.

Schauen wir uns nun diese Schritte im Detail an.

1 | Ist-Situation analysieren

Bevor Sie die Entwicklung eines gemeinsamen Zielbildes für Ihr Team starten, empfehlen wir die fundierte Analyse der Ist-Situation im Rahmen einer anonymisierten Befragung. Die Fragen dazu können Sie entweder gemeinsam im Team entwickeln oder Sie nutzen unser Instrument der Teamanalyse, das Ihnen innerhalb von 2 Wochen nach Befragungsende einen aussagekräftige Übersicht über die Stärken und Handlungsfelder Ihres Teams gibt und konkrete Vorschläge zu zielführenden Teambuilding-Maßnahmen macht.

Falls Sie den Fragebogen selbst entwickeln möchten, bekommen Sie nachstehend eine Idee eines Minimalfragebogens, der aus Aussagen besteht, die Sie entweder auf einer Skala, in Ampelfarben rot, gelb, grün oder durch verschiedene Smilies beantworten lassen können. Je granularer die Bewertungsmöglichkeiten, desto aussagekräftiger. Wir empfehlen eine Skala von 1 (trifft kaum zu) bis 10 (trifft sehr zu).

TEAMANALYSE | MINIMALFRAGEBOGEN

  • Ich fühle mich wohl im Team.
  • Meine Arbeit macht mir Spaß.
  • Ich schätze die Zusammenarbeit mit den Kollegen.
  • Ich bin mit Kopf und Herz dabei.
  • Ich werde als Mensch wertgeschätzt.
  • Ich werde gehört.
  • Ich bringe meine Ideen gern proaktiv ein, auch unfertige.
  • Ich habe keine Angst, Probleme offen anzusprechen.
  • Ich habe keine Angst, Kritik zu äußern oder einen Konflikt anzusprechen.
  • Ich vertraue meinen Teammitgliedern zu 100%.

Wichtig ist, dass Sie die Anonymität der Antworten gewährleisten, in der Auswertung aber sich sowohl die Bandbreite der Werte als auch den Durchschnitt anschauen.

Hinweis:

Geht aus der Ist-Analyse hervor, dass Sie keine stabile Vertrauenskultur im Team haben, empfehlen wir dringend, den nachfolgenden Prozess durch einen externen Moderator begleiten zu lassen. Diese Neutralität ermöglicht es, auch sensible Themen so anzusprechen, dass Vertrauen dadurch nicht weiter beschädigt wird.

2 | Zielbild entwickeln

Auf Grundlage der Ist-Analyse können Sie gemeinsam im Team das Zielbild entwickeln. Anders als bei strategischen Zielbildern empfehlen wir, den Zeitraum für das Zielbild enger zu stecken, z.B. auf ein Quartal oder ein halbes Jahr. Warum? Die kürzeren Zeiträume helfen Ihnen dabei, konkreter zu werden.

Zum anderen empfehlen wir, nicht alle Themen auf einmal anzugehen, also auch das Zielbild auf 1-3 Schlüsselaspekte zu fokussieren. Jedes der Themen wie Vertrauen, Wertschätzung, Respekt, Emotionale Sicherheit ist in sich komplex, daher würden Sie sich und das Team überfordern, wenn Sie zu viele Dinge gleichzeitig angehen.

Nachfolgend erhalten Sie beispielhafte Fragen, mit denen Sie den Entwicklungsprozess des Zielbildes einleiten können.

BEISPIELHAFTE LEITFRAGEN

Wertschätzung

„Wo auf der Skala wollen wir beim wertschätzenden Umgang miteinander in drei Monaten stehen?“

Umgang mit Kritik

„Was wollen wir Ende dieses Quartals beim Umgang mit Kritik erreicht haben?“

Spaß an der Arbeit

„Wie würdet ihr gern in einem halben Jahr die Aussage: „Meine Arbeit macht mir Spaß bewerten? Was hat sich dann konkret verändert, damit diese Bewertung möglich wird?“

Steht Ihr Zielbild, geht es nun darum, daraus konkrete Maßnahmen abzuleiten.

3 | Maßnahmen ableiten

Leitfrage für diesen Schritt ist: „Was braucht es, damit wir unser Zielbild erreichen?“; also damit beispielsweise jeder in einem halben Jahr die Aussage „Meine Arbeit macht mir Spaß“ mit acht bewertet?

Geht es, um bei diesem Beispiel zu bleiben, darum, die Rollen und Aufgaben im Team besser auf die Stärken der Teammitglieder auszurichten? Oder brauchen Sie gezielte Rituale im Team, um trotz hybrider Arbeitsformen wieder mehr Interaktion und Nähe im Team herzustellen? Geht es darum, den gemeinsamen Jour fixe produktiver zu gestalten, da ihn alle als Zeitfresser empfinden?

Brainstormen Sie und überlegen Sie dann gemeinsam, welche der Ideen wie stark auf das, was Sie erreichen wollen, einzahlen.

Bringen Sie dann die Ideen, die Sie umsetzen wollen, in eine Reihenfolge und planen Sie diese entsprechend mit Zeit und Budget ein.

Noch ein Hinweis zu den Maßnahmen:

Bei der Auswahl und Planung der Maßnahmen sollten Sie darauf achten, dass alle Teammitglieder sich darauf einlassen wollen und können.

Es gilt der Grundsatz: weniger ist mehr. Der Prozess muss zu jedem Zeitpunkt für jedes Teammitglied emotional sicher sein, sonst wird das fehlende Vertrauen in den Prozess die Vertrauensbildung auf Teamebene und die Entwicklung eines veränderten Miteinanders behindern.

4 | Budget quantifizieren und Zeitbedarf planen

Erfahrungsgemäß benötigt Teamentwicklung immer auch Budget. Je nachdem, wie vertrauensvoll Ihr Miteinander im Team bereits ist, muss das Geldbudget unter Umständen gar nicht groß sein. Was in der Regel die größere Rolle spielt, ist das zeitliche Budget für einzelne Teammitglieder, Sie als Führungskraft oder alle gemeinsam. Diese Zeit sollten Sie sorgfältig und unter Berücksichtigung von zeitlichen Puffern direkt im Kalender planen und auch im Tagesgeschäft aktiv Freiraum für teambezogene Aktivitäten und die definierten Maßnahmen schaffen.

5 | Verantwortlichkeiten definieren

Für jede Maßnahme sind konkrete Verantwortlichkeiten zu definieren. Wir empfehlen, dass sich jeder einbringt und so auch in dieser Form Verantwortung für den Teambuilding-Prozess und das gemeinsame Miteinander übernimmt.

6 | Gemeinsame Review-Termine vereinbaren

„Wann schauen wir wieder auf uns als Team und sprechen darüber, was sich bereits entwickelt hat?“, ist die zentrale Frage, wenn es darum geht, Review-Termine zu vereinbaren. Idealerweise liegen diese Termine nicht erst am Termin Ihres Zielbildes.

Ein Beispiel:

Nehmen wir an, Ihr Zielbild wurde für ein Zeitfenster von einem halben Jahr definiert. Dann empfiehlt es sich, nicht erst nach Ablauf der 6 Monate zu schauen, wo Sie als Team und mit den Dingen, die Sie sich vorgenommen haben, stehen. Denn dann riskieren Sie zwei Dinge:

  1. Die vereinbarten Maßnahmen verlieren innerhalb der 6 Monate ab Vereinbarung an Aufmerksamkeit und fallen im Zuge des Tagesgeschäftes unter den Tisch.
  2. Fehlende Fortschritte führen zu Frust bei den Teammitgliedern. Das Miteinander im Team verschlimmert sich dadurch.

Damit genau das nicht passiert, sollten Sie mindestens monatliche Review-Termine vereinbaren und auch durchführen.

7 | Formulieren, wie Erfolge gefeiert werden

Dass Sie bereits initial überlegen, wie Sie Erreichtes gemeinsam anerkennen, ist für den Teambuilding-Prozess aus verschiedenen Gründen entscheidend. Zum einen sichern Sie damit die Motivation, dranzubleiben, auch wenn es manchmal „ans Eingemachte“ geht. Zum anderen zahlt das Feiern von Erfolgen explizit auf ein besseres Miteinander im Team ein.

Bei den Teamanalysen, die wir durchführen, wird die Aussage „Wir feiern Erfolge gemeinsam.“ von mehr als 90% der Teams unterdurchschnittlich bewertet.

Teamentwicklung braucht Struktur und Zeit

Um zu einer gesundes Teamkultur und einem vertrauensvollen Miteinander zu kommen, empfehlen wir ein Vorgehen in 7 Schritten:

  1. Ist-Situation analysieren, z.B. mit Hilfe unserem Instrument der Teamanalyse
  2. Zielbild entwickeln
  3. Maßnahmen ableiten
  4. Budget quantifizieren und Zeitbedarf planen
  5. Verantwortlichkeiten definieren
  6. Review-Termine vereinbaren
  7. Formulieren, wie Erfolge gefeiert werden

Essenziell ist, dass Sie im Vorgehen darauf achten, eher langsamer und kleinschrittiger vorzugehen als durch zu viele Maßnahmen und zu große Schritte das Team oder einzelne Teammitglieder zu überfordern. Eine Entwicklung findet nur statt, wenn sich alle sicher genug fühlen, um sich auf den gemeinsamen Prozess und das neue Miteinander einzulassen.

Daher braucht ein Teamentwicklungsprozess neben einer klaren Struktur und Erfahrung in der Begleitung auch Zeit. Das sollten Sie berücksichtigen und einplanen.

Sollten Sie Ihren Teamentwicklungsprozess von uns moderieren lassen wollen oder Interesse an einer fundierten Teamanalyse haben, kontaktieren Sie uns.

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