Führungskräfte im Gespräch

Warum führen Sie, Frau Kirsch?

Von Sabine Walter

Silke Kirsch, Führungskraft beim internationalen Messebauer Messebauer Max Rappenglitz GmbH sagt: Egal wen man führt, Kinder, Kunden oder Mitarbeiter. Es geht immer um Menschen. Wenn wir diese sehen, wertschätzen und ihnen Raum für Entwicklung zu geben, wäre das ein großer Sprung hin zu einer besseren Unternehmenskultur und letztlich auch zu einem besseren Miteinander in unserer Gesellschaft.

Ich führe, um etwas zu bewegen.

S.W.: Warum führen Sie, Frau Kirsch?

Ich möchte etwas gestalten, bewegen. Gemeinsam mit anderen Menschen, mit meinem Team.

Wir entwerfen und bauen Messestände. Jeder Messestand ist für uns ein Projekt. Und für den Erfolg eines Projektes geht es nicht nur darum, welches Produkt dargestellt wird und wie das Unternehmen sich auf der Messe präsentieren möchte. Sondern für den Erfolg der Projekte war und ist von entscheidender Bedeutung, wie gut wir die Menschen, die hinter den Produkten und dem Unternehmen stehen, verstanden haben und wie vertrauensvoll Kollegen und Kunden in dem Projekt zusammenarbeiten. Wie sie miteinander umgehen, wie sie miteinander sprechen und ob sie einander wertschätzen.

Und da sind wir beim Thema Führung. Es geht um Menschen. Es geht darum zu verstehen, wer sie sind und was sie treibt und das in das eigene Denken und Handeln einfließen zu lassen.

Führung heißt Vertrauen, Empathie, Klarheit und Strukturen

S.W.: Was bedeutet “Führung” für Sie?

Führung heißt für mich, zu den Menschen in meinem Umfeld eine vertrauensvolle Beziehung aufzubauen und zu pflegen. Dazu gehört, dass ich den jeweiligen Menschen verstehe: Was sind seine Stärken? Was seine Bedürfnisse? Was sind seine Ängste und Sorgen? Was sind seine Motivatoren? 

Das ist aber nur eine Seite, um Vertrauen entstehen zu lassen. Denn es gehört auch dazu, dass ich mich öffne und mit meinen Stärken, Sorgen und Bedürfnissen zeige. Ich bin ja auch ein Mensch und nicht nur Führungskraft.

Als Mutter zweier Söhne finde ich, dass es sehr viele Parallelen zwischen Kindererziehung und Mitarbeiterführung gibt.

S.W.: Inwiefern?

Bei beidem geht es darum, die Menschen in ihrer Gänze zu erkennen – als Mutter meiner Kinder, als Führungskraft meiner Mitarbeiter: Was macht sie aus? Welche Talente und Bedürfnisse haben sie? Was brauchen Sie, um Dinge gern zu machen, um Spaß an dem zu haben, was sie tun? Wenn ich das verstanden habe, kann ich diese Begeisterung wecken  – egal ob es um Hausaufgaben geht oder Projekte. 

Damit das gelingt braucht es Vertrauen, Empathie, Klarheit und Strukturen. Es braucht ehrliche Wertschätzung: Wertschätzung der Stärken, so dass diese so tragend werden, dass Schwächen nicht mehr ins Gewicht fallen. Es braucht Humor und den Willen und die Fähigkeit, sich auf Augenhöhe zu bewegen.

Es braucht Offenheit für die Ideen der anderen und auch einen gewissen Mut zum Risiko, auch mal unbekannte Wege zu gehen. Es braucht ein gutes Austarieren zwischen Nähe und Distanz: In welchen Situationen muss ich nah dran sein? In welchen Situationen ist es wichtig viel Freiraum zu lassen?  Nur dann kann wirklich Neues entstehen und der Reiz, sich mit seinen Ideen und seinem Engagement einzubringen, bleibt dauerhaft erhalten.

Ein anderer Aspekt, den ich sowohl als Mutter als auch als Führungskraft brauche, ist eine innere und äußere Ruhe. Gerade in Situationen, in denen Dinge schiefgelaufen sind, ist es wichtig, Ruhe auszustrahlen. Panik oder Vorwürfe helfen nicht. Letztens kam eine junge Kollegin aufgeregt zu mir. Es gab ein Problem mit einem Messestand. Meine erste Reaktion war: ‚Keine Panik. Das ist keine Herz-OP. Es ist ein Messestand.‘ Da konnte sie schon wieder ruhiger atmen und war offen, das Problem mit mir gemeinsam Schritt für Schritt zu lösen.

Fehler sind passiert. Das ist Vergangenheit. Daran lässt sich nichts mehr ändern. Aber durch die Art und Weise, wie ich mit den Fehlern der anderen umgehe, kann ich dazu beitragen, dass Fehler schneller korrigiert werden und aus ihnen gelernt wird. So steigt die Chance, dass Dinge nicht noch einmal genau so passieren. Dann sind Fehler Teil eines Entwicklungsprozesses und verlieren ihre negative Konnotation.

Ein Mittelständler wie Rappenglitz lebt von der Qualität seiner Mitarbeiter.

S.W.: Warum ist Führung bei Rappenglitz von zentraler Bedeutung?

Wir sind ein mittelständisches Unternehmen. Wir können bei Personal nicht aus dem Unendlichen schöpfen. Und die Qualität unserer Messestände lebt von der Kreativität, der Erfahrung und dem Engagement unserer Mitarbeiter.

Ich führe, weil ich Menschen entwickeln möchte.

S.W.: Was macht Sie als Führungskraft aus?

Mir liegen Menschen am Herzen. Ich will sie erfassen, verstehen und entwickeln. Ich bin sehr offen, manchmal (zu) direkt und trage eine große Begeisterung für das, was ich tue in mir. Und ich möchte, dass dieser Funken überspringt. Und wie das passiert, ist von Mitarbeiter zu Mitarbeiter verschieden. Ich möchte Menschen und Dinge weiterentwickeln.

Aus Kindergarten und Hort habe ich mehrfach die Rückmeldung erhalten, dass unsere Söhne ein absolutes Urvertrauen haben. ‚Was meint ihr denn damit?‘, habe ich gefragt. Die Antwort war: ‚Eure Söhne wissen innerlich, dass sie Ihnen absolut Vertrauen dürfen, dass sie – egal was passiert – bei Ihnen gut aufgehoben sind, und dass sie einfach so sein dürfen, wie sie sind.‘

Und genauso handhabe ich das auch mit meinem Team. Jeder ist anders. Jeder darf so sein, wie er ist. Jeder hat seine Stärken. Und diese heraus zu kitzeln und mit den Stärken der anderen zu verknüpfen, das sehe ich als meine Aufgabe an. Nur dann sind wir als Team und auch dauerhaft als Unternehmen erfolgreich.

S.W.: Sie beschreiben ganz zentrale Aspekte der Führung. Jetzt gibt es leider immer noch viele Führungskräfte, die das noch nicht erkannt haben und somit auch in ihrem Führungsalltag nicht leben.

Ein Paradigmenwechsel in der Führung resultiert in einem besseren Miteinander in unserer Gesellschaft

S.W.: Was würde sich aus Ihrer Sicht verändern, wenn wir einen Paradigmenwechsel im Bereich Führung hätten?

Die Leute hätten mehr Freude an der Arbeit, wären weniger krank. Die Bereitschaft, Verantwortung zu übernehmen, würde signifikant steigen, genauso wie das Engagement. Es würde weniger „Dienst nach Vorschrift“ oder innere Kündigungen geben.

Der elementare Punkt dabei ist die Wertschätzung. Nur wenn diese da ist und die Mitarbeiter wirklich gesehen werden, bauen sie eine emotionale Beziehung zu ihrem Unternehmen auf. Fehlt das, werden Unternehmen und Job austauschbar. Leute kommen und gehen und mit ihnen geht immer mehr Know-how. Das ist eine gefährliche Entwicklung.

Ziel einer jeden Führungskraft sollte es sein, nicht nur ein Arbeitsverhältnis zu schaffen, sondern zu jedem Mitarbeiter eine vertrauensvolle Arbeitsbeziehung aufzubauen und zu pflegen. Gleiches gilt übrigens auch für Kunden. 

Vielleicht lässt es sich so zusammenfassen: Egal wen man führt, Kinder, Kunden oder Mitarbeiter. Es geht immer um Menschen. Wenn wir diese sehen, wertschätzen und ihnen Raum für Entwicklung zu geben, wäre das ein großer Sprung hin zu einer besseren Unternehmenskultur und letztlich auch zu einem besseren Miteinander in unserer Gesellschaft.

Silke Kirsch ist studierte Diplom-Ingenieurin mit dem Schwerpunkt Innenarchitektur. Seit mehr als 20 Jahren ist sie bei dem Unternehmen Max Rappenglitz GmbH tätig. Als Teamleiterin sieht sie es als ihre Aufgabe an, für ihre Mitarbeiter da zu sein, sie begeisternd zu begleiten, und somit gemeinsam die Zukunft des Unternehmens zu gestalten. 

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