Sabine Walter im Gespräch mit …

Dirk Schallock, CEO der E.G.O.-Gruppe

Herr Schallock, was lieben Sie an Ihrem Beruf?

Dass ich die Freiheit habe, die Zukunft zu gestalten. Ich liebe die Internationalität und dass ich jeden Tag darüber nachdenken kann, wie ich ein Unternehmen nachhaltig und profitabel in die Zukunft führe. Für die E.G.O. heißt das, dass wir unser ganzes Können, das wir in jeder Phase unserer Wertschöpfung haben – angefangen bei der Supply Chain über die Innovation bis hin zum Vertrieb – jeden Tag zum Kunden bringen. Wir müssen nah an unseren Kunden sein und gemeinsam mit ihnen Probleme lösen, die unsere Endkunden haben. Ich möchte, dass dieses Unternehmen zu dem Zeitpunkt, an dem ich es verlassen werde, weltweit die absolute Nummer 1 in der weißen Ware ist und jeder Kunde, der morgens aufsteht und ein Problem hat, die E.G.O. anruft und darum bittet, sein Problem zu lösen. Dieses Vermächtnis zu hinterlassen, das treibt mich an.

Was ich noch an meinem Beruf liebe, ist das Gefühl, für viele Menschen Verantwortung zu tragen. Dieses Verantwortungsgefühl habe ich in meinen ersten Führungsjahren gar nicht so wahrgenommen. Das ist über die Jahre gewachsen. Ich habe eine sehr hohe Verantwortung meinen Mitarbeitern und deren Familien gegenüber, aber auch unseren Zulieferern und Geschäftspartnern gegenüber. Und ich gebe jeden Tag mein Bestes, dieser Verantwortung gerecht zu werden.

Dabei hilft mir sehr, dass ich nicht nur eine hohe Gestaltungsfreiheit habe, sondern auch ein Mensch bin, der einen ausgeprägten Gestaltungswillen besitzt. Ich liebe es, Dinge immer wieder zu hinterfragen und strategisch zu durchdenken. Bei jedem Unternehmen, dass ich bisher geführt habe, waren mir immer zwei Dinge wichtig: Erstens, dass ich die Kronjuwelen finde, die jedes Unternehmen hat. Und zweitens, dass wir unseren Markt beherrschen, also das Zusammenspiel von Markt-Produkt-Kunde-Technik wirklich verstehen. Denn nur dann haben wir auch eine Existenzberechtigung.

S.W.: Wann ist Ihnen bewusst geworden, dass das Gestalten Ihr zentraler Treiber ist?

Sie kennen sicherlich die Redensart: man wächst mit seinen Aufgaben. Bereits mit 34 Jahren war ich Geschäftsführer und in dieser Funktion muss man gestalten wollen, um ein Unternehmen voranzubringen. Das ist eine Eigenschaft, die sich mit der Zeit immer weiterentwickelt.

SW: Kam bei so viel Gestaltungswillen nie der Wunsch auf, selbst ein Unternehmen aufzubauen?

Wenn ich die Zeit zurückdrehen könnte, würde ich sicherlich überlegen, womit ich mich selbstständig machen könnte. Aber ich bereue nichts. Denn ich führe alle Unternehmen wie meine eigenen, mit der gleichen Leidenschaft, dem gleichen Engagement und Verantwortungsbewusstsein.

Meinen Kindern rate ich, über Selbstständigkeit oder ein eigenes Unternehmen nachzudenken, da ich finde, dass wir in Deutschland noch viel mehr Unternehmer und Unternehmertum brauchen.

SW: Wollten Sie schon immer diesen Karriereweg einschlagen?

Nein. Ich wollte ursprünglich Berufsoffizier werden bei den Fallschirm- oder Gebirgsjägern. Ich habe die Offiziers- und Pilotenprüfung absolviert und dann wurde dieser Karriereweg durch einen schweren Sportunfall abrupt beendet.

SW: Was waren in Ihren verschiedenen unternehmerischen Herausforderungen die zentralen Faktoren für einen erfolgreichen Wandel der Unternehmen?

Es ist selbstredend, dass jeder Wandel und die damit verbundene Strategie von den Gesellschaftern mitgetragen werden muss. Diese gilt es also zu gewinnen.

Doch um ein Unternehmen zu drehen, ist Authentizität gefragt, Ehrlichkeit. Ein Chef muss sich vor seine Mannschaft stellen können und das, was er denkt, emotional erklären. Neue Strukturen, nackte Zahlen oder veränderte Prozesse werden nicht für einen Wandel begeistern. Es muss der Funke überspringen, der Funke vom Zielbild. Wo wollen wir hin als Unternehmen? Warum macht das Sinn? Die Mitarbeitenden müssen für das Unternehmen brennen und stolz auf das sein, was sie tun. Vor allem aber müssen sie dir glauben, dass du als Chef voll und ganz hinter dem stehst, was du sagst und auch davon überzeugt bist, dass das definierte Ziel erreicht werden kann.

S.W.: Bei dem, was Sie skizziert haben, gibt es viele Parallelen zu dem, was wir tun.

Was sind die Themen im Bereich Persönlichkeits- und Organisationsentwicklung, die seit Jahrzehnten von unveränderter Bedeutung sind?

Bei Führung geht es aus meiner Sicht immer um vier zentrale Elemente: Es geht um Klarheit, um Empathie, um Vertrauen und Respekt.

Es geht bei Organisationsentwicklung nicht in erster Linie um die Organisationsform. Sondern es geht heute, wie vor fünfzig Jahren darum, dass es Führungskräften gelingt, eine Mannschaft zu formen, die – wie im Sport – emotional miteinander verbunden ist, als Team agiert und füreinander einsteht. Und es geht darum, die Menschen so einzusetzen, dass sie sich in ihrer jeweiligen Rolle wohl fühlen und das tun können, was sie richtig gut können.

Wann kommen Ihnen die besten Ideen?

Im Austausch mit kompetenten Menschen. Ich liebe es, gemeinsam mit meinen Fachleuten Gedanken zu jonglieren. Wer mich kennt, weiß, dass ich mit den Fragen, die ich stelle, auch gern mal provoziere. Das mache ich bewusst. Ich will Gedankenmuster durchbrechen, Leute aus der Komfortzone holen, um vielleicht genau dadurch eine Lösung zu finden, die noch besser ist als die bisherige.

Wie wird Ihr Beruf im Jahr 2050 aussehen?

Was wird sich im Jahr 2050 wirklich geändert haben? Ich denke, dass zwei Themenbereiche die Zukunft sehr stark gestalten. Das ist zum einen die Digitalisierung. Das läuft schon, wird aber eine deutlich höhere Form erreichen; Stichwort Big Data. Die Geschwindigkeit der IT wird zunehmen, künstliche Intelligenz wird viel stärker als heute Entscheidungen vorbereiten. Das Transparenz-Niveau, dass wir mit einer globalen Datenlage schaffen können, wird signifikant über dem heutigen Niveau liegen.

Außerdem hat und wird nachhaltiges Handeln unser Leben weiter beeinflussen. Wir müssen heute handeln, um unseren nachfolgenden Generationen eine Chance zu geben, auf der Erde gut leben zu können.

Daher werden wir uns mit der Nachhaltigkeit in den Unternehmen, in der Produktion, in den Produkten, dem Energieverbrauch, der Mobilität und auch im Privaten noch viel intensiver und umfassender beschäftigen müssen. Nachhaltiges Wirtschaften und Leben wird die Ausrichtung der Unternehmen, die Märkte und das Konsumverhalten maßgeblich verändern.

Das heißt auch, dass sich das unternehmerische Verständnis dahingehend ändern muss, dass Unternehmen es zu ihrer zentralen Aufgabe machen, nachhaltig zu produzieren und nachhaltigen Konsum zu ermöglichen. Wir müssen in eine echte Kreislaufwirtschaft kommen, sonst wird unser Leben auf dieser Erde keine Zukunft haben.

S.W.: Wo würden Sie gern im Jahr 2050 sein?

In der Toskana auf einem wunderschönen Weingut mit meiner Frau, meinen fünf Kindern und ihren Partnern an einem gedeckten Tisch unter einem Nussbaum im Hof.

Dirk Schallock, Jahrgang 1967, studierte in seiner Heimatstadt Nürnberg Micro Engineering. Nach dem erfolgreichen Abschluss startete er seine berufliche Karriere beim Elektromotor-Spezialisten Bühler Motor. Dort stieg er über verschiedene Stationen im Jahr 2002 zum Geschäftsführer auf. Sieben Jahre später wechselte er in alleiniger geschäftsführender Verantwortung an die Spitze von ebm-papst St. Georgen und war Mitglied der Gruppengeschäftsführung. 2017 wurde Dirk Schallock zum CEO des Befestigungstechnik-Spezialisten Fischer ernannt. Seit dem 1. Januar 2019 leitet. Dirk Schallock erfolgreich die Geschicke der E.G.O.-Gruppe. Dirk Schallock ist verheiratet und hat fünf Kinder.

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