Führung | Organisationsentwicklung

Unternehmertum fördern

von Sabine Walter

Unternehmerisches Denken und Handeln ist eine Kompetenz, die für die Wettbewerbsfähigkeit der Unternehmen immer wichtiger wird. Doch reicht es nicht aus, dass diese Kompetenz nur auf Vorstands- oder Geschäftsführerebene ausgeprägt ist. Vielmehr geht es darum, durch entsprechende Führung und Persönlichkeitsentwicklung unternehmerisches Denken und Handeln bei möglichst vielen Mitarbeitenden zu verankern. Wie das gelingt, erläutern wir in diesem Artikel.

Um Unternehmertum in Organisationen zu verankern, sind verschiedene Faktoren und ein top-down Prozess von Relevanz. Welche wesentlichen Schritte sind zu gehen?

Unternehmertum vorleben

Vorbild sein und Unternehmertum vorleben

Wenn Sie Unternehmertum in Ihrer Organisation fördern wollen, sind Sie nur glaubwürdig, wenn Sie es vorleben. Das umfasst auch, dass ihr Führungsstil sich unter anderem durch hohes Vertrauen in andere, also Beziehungsvertrauen, auszeichnet. Es setzt voraus, dass Sie eine hohe Fehlertoleranz leben, selbst auch bereit sind, Risiken in definiertem Rahmen einzugehen und loslassen und sich weitestgehend aus dem operativen Geschäft raushalten.

Doch bei vielen Führungskräften und Unternehmern erlebe ich, dass der Wunsch nach einer unternehmerischen Organisation oft am fehlenden Loslassen scheitert. Daher: Wenn Sie in Ihrer Organisation Unternehmertum fördern wollen, impliziert das auch bei Ihnen eine persönliche Weiterentwicklung – weg vom besten Mitarbeiter hin zum wirklichen Unternehmer.

Unternehmertum fördern

Als Unternehmenswert definieren und operationalisieren

Um als Organisation die Leute anzuziehen und zu halten, die unternehmerisch arbeiten wollen, empfehlen wir, Unternehmertum als Wert der Organisation zu definieren. Jedoch ist es nicht damit getan, diesen Wert aufzuschreiben oder in das Unternehmensleitbild zu integrieren. Vielmehr liegt der Schlüssel in der Operationalisierung dieses Wertes, also sichtbare Ergebnisse zu definieren. “Woran merken wir / unsere Kunden / unsere Geschäftspartner, dass wir Unternehmerisch denken und handeln?”

Ist diese Frage beantwortet, geht es darum, die Rahmenbedingungen herzustellen oder zu stärken, die benötigt werden, um die definierten Ergebnisse zu erreichen.

Unternehmertum fördern

Kompetenz definieren und mit Verhaltensmerkmalen verankern

Eine Möglichkeit dazu, ist es, eine Kompetenzlandkarte “Unternehmertum” zu definieren. Diese Kompetenzlandkarte umfasst alle dazu gehörigen Einzelkompetenzen zusammen mit aussagekräftigen Verhaltensmerkmalen. In der Kompetenzlandkarte, die wir für Unternehmertum entwickelt haben, sind acht Einzelkompetenzen aufgeführt, u.a. Visionäres und Strategisches Denken, Quer denken und Innovation, Entscheidungskompetenz sowie die Fähigkeit, Risiken in definiertem Rahmen einzugehen.

Unternehmertum fördern

Raum geben, damit unternehmerische Kompetenz sich entfalten kann

Unternehmerische Kompetenz kann sich dann entfalten, wenn jeder im Unternehmen selbst wirksam sein und gestalten kann. Diese Selbstwirksamkeit entwickelt sich schneller in Organisationen, in denen eine Fehlertoleranzkultur herrscht.

Fehleroleranzkultur entwickeln und leben

Eine Fehlertoleranzkultur setzt die Einstellung voraus, dass Fehler Teil von Lern- und Entwicklungsprozessen sind (Fehlerakzeptanz). Diese Einstellung wird am ehesten durch eine Sanktionsfreiheit sichtbar und die Haltung “Wenn ein Fehler passiert, geht es nicht darum, den Schuldigen zu finden und zu bestrafen, sondern es geht darum, die Kuh wieder vom Eis zu bringen und aus dem Fehler zu lernen, so dass er nicht noch einmal passiert.” In Unternehmen, in denen eine Fehlertoleranzkultur herrscht, sind Mitarbeitende viel eher bereit, über den eigenen Tellerrand hinaus zu schauen, zu experimentieren oder auch mal Entscheidungen allein zu treffen, auch wenn sie sich nicht einhundertprozentig sicher sind, ob es die richtige Entscheidung ist.

Diese Entscheidungskompetenz steht für den Willen und die Fähigkeit, Verantwortung für das eigene Handeln und Verantwortung für die Entwicklung des Unternehmens zu übernehmen – der erste Schritt zum gelebten Unternehmertum.

Entscheidungskompetenz von Teams stärken

Die Entscheidungskultur in Unternehmen zu verändern, ist ein längerer Entwicklungsprozess. Geht es doch dabei nicht nur darum, dass Mitarbeitende bereit sind, mehr Verantwortung zu übernehmen. Es geht vor allem auch darum, dass Entscheider bereit sind, Verantwortung abzugeben und loszulassen. Dies gelingt um so eher, wenn die Rahmenbedingungen klar definiert und von allen akzeptiert sind:

  • Zielklarheit besteht
  • Entscheidungsprozesse und Entscheidungsspielräume sind definiert (z.B. in einer delegation matrix)
  • Informationstransparenz besteht
  • eine Vertrauenskultur herrscht

Feedback-Kultur leben

Ein weiteres zentrales Element für die Entfaltung des Unternehmertums ist die Feedback-Kultur. Sind unternehmerische Kompetenzen in den Kompetenzprofilen der jeweiligen Rollen definiert, ist es elementar, dazu regelmäßig, mindestens aber quartalsweise in einen Feedback-Dialog zu treten. 

  • Wie gut füllt jeder Einzelne die jeweiligen Kompetenzen aus?
  • Was ist bereits als Stärke verankert?
  • Was kann noch besser werden? Und wie?

Wichtiger Teil des Feedbacks ist die Anerkennung. Sie hat eine bestärkende Wirkung. Welche kleinen und größeren Erfolge wurden bereits erzielt, welche Fortschritte sind sichtbar, welche Entwicklung wahrnehmbar? Fragen Sie die Mitarbeitenden nach ihrer Einschätzung und spiegeln Sie, was Sie wahrnehmen.

Visions- und Strategieprozesse mit allen durchführen

Während in vielen Unternehmen nur ein ausgewählter Teil der Führungskräfte an der Entwicklung der Vision und dem Strategieprozess beteiligt ist, empfehlen wir Organisationen, die Unternehmertum verankern wollen, beide Prozesse mit so vielen Mitarbeitenden und Führungskräften wie möglich durchzuführen. Starten Sie beispielsweise einen Bewerbungsprozess, um das Projektteam zusammenzustellen, das die Entwicklung der Unternehmensvision oder des Purpose vorantreibt und legen Sie auch die Ableitung der Strategie in diese Hände. Je mehr Personen an der Visionsfindung und dem Strategieprozess beteiligt sind, umso breiter ist deren Akzeptanz und um so größer ist die Bereitschaft, dafür auch unternehmerische Verantwortung zu übernehmen.

Fazit

Unternehmertum in Organisationen zu verankern ist ein Transformationsprozess

Unternehmertum in Organisationen erfolgreich und dauerhaft zu verankern ist ein Transformationsprozess. Eine Transformation braucht Zeit und comittment und Konsequenz auf der Führungsebene. Nur dann erhält sich entlang des gesamten Prozesses die Glaubwürdigkeit, die es braucht, um Menschen von etwas Neuem zu überzeugen. Unternehmerische Verantwortung zu übernehmen, ist für manche selbstverständlich. Andere wiederum haben Zweifel daran, ob sie die damit verbundenen Erwartungen erfüllen können. Diese Personen mit Druck dahin zu bringen, wird nicht funktionieren. Vielmehr wird es darum gehen, die im Artikel skizzierten Prozessschritte noch bewusster zu gehen.

Wenn Sie Ihre Organisation hin zu mehr unternehmerischem Wirken entwickeln wollen, bekommen Sie mit uns einen erfahrenen Sparringpartner, der Ihnen nicht nur dabei hilft, den richtigen Einstieg in den Prozess zu finden, sondern sie auch entlang der gesamten Transformation auf den verschiedenen Ebenen unterstützt – der kulturellen Entwicklung, der Kompetenzentwicklung und Ihrer persönlichen Entwicklung.

Packen Sie es an!

Whiteboard Auswahl

Portrait Peter Haberl

Unternehmergespräch mit Peter Haberl

“Transformationen gelingen nur, wenn Führungskräfte und Unternehmer keine Angst vor der Delle haben.”, sagt Peter Haberl, Geschäftsführer der SSE Software GmbH in Augsburg. Über seine Art zu führen, zu gestalten, über das, was ihn um- und antreibt spricht der erfahrene Manager mit Sabine Walter im Unternehmergespräch.

Lernende Organisation - Lichtsilhouetten vieler Köpfe in Blau und Grün im Raum - netzwerk managementberatung coaching

Die Lernende Organisation: Erfolgsfaktoren und Handlungsempfehlungen

Für viele Unternehmen ist die Geschwindigkeit, mit der sie sich, ihre Leistungs- und Produktangebote weiterentwickeln, schon heute ein entscheidender Wettbewerbsfaktor. Doch oft wirken die kulturellen Rahmenbedingungen diesem Anspruch und der unternehmerischen Notwendigkeit der stetigen Weiterentwicklung entgegen. Deshalb geht es in diesem Artikel um drei Fragen: Wodurch zeichnen sich Lernende Organisationen aus? Welche Rahmenbedingungen brauchen Lernende Organisationen? Welche konkreten ersten Schritte können Sie in Ihrem Unternehmen gehen, um eine Lernende Organisation aufzubauen?

Ein Kopf aus Vektoren und Lichtern schaut ins Universum

Lässt sich Innovation lernen?

Viele Unternehmen haben während der Pandemie gemerkt, dass wettbewerbsfähige Geschäftsmodelle mit Innovation einhergehen. Der Druck, eine Innovationskultur zu etablieren nimmt zu. Bleibt die Frage, wie das geht. Im Interview mit Dr. Patricie Merkert, Head of Innovation & Technologies der E.G.O. Elektro-Gerätebau GmbH in Oberderdingen, hat Sabine Walter ihr die Frage gestellt: “Lässt sich Innovation erlernen?” Die Antwort ist vielschichtig und beinhaltet wertvolle Tipps für Unternehmen, die innovativer werden wollen.

Newsletter

Unseren monatlichen Newsletter mit einer Zusammenfassung der neuesten Blogartikel können Sie hier abonnieren.

Item added to cart.
0 items - 0,00