Back to the roots: Echte Begegnungen bleiben Grundbedürfnis auch in digitalen Welten.

Von Sabine Walter

Wir Menschen sind und bleiben soziale Wesen – auch in einer digitalen Welt. Als soziale Wesen zählt Zugehörigkeit zu unseren elementaren Grundbedürfnissen. Der Gallup-Engagement-Index 2018 für Deutschland zeigt, dass diese emotionale Bindung an Unternehmen gerade einmal bei 15% der Arbeitnehmer vorhanden ist. Einen großen Einfluss auf diese Bindung haben die Qualität des Verhältnisses zu Kollegen und Vorgesetzten. Doch neue Arbeitsformen und die Nutzung digitaler Kommunikationsmittel führen dazu, dass wir immer weniger Zeit im Büro verbringen. Deshalb ist es um so wichtiger, dass wir die gemeinsame Zeit im Büro für echte Begegnungen mit unseren Kollegen nutzen. Den Rahmen dafür zu schaffen, ist auch Aufgabe der Führungskräfte.

Echte Begegnungen sind die Voraussetzung für emotionale Bindung

Angesichts der fortschreitenden Digitalisierung in den Unternehmen ist es elementar wichtig, dass wir uns ganz bewusst wieder Zeit für echte Begegnungen nehmen und Raum für echte Begegnungen schaffen. Ohne diese echten Begegnungen wird die emotionale Bindung an Unternehmen weiter sinken. Damit sinkt deren Innovationskraft und Leistungsfähigkeit.

Was sind echte Begegnungen?

Echte Begegnungen ist ein ehrliches und aufrichtiges Aufeinandertreffen von Menschen. Echte Begegnungen zeichnen sich dadurch aus, dass Menschen bereit sind, sich zu zeigen, wie sie sind – mit all ihren Facetten; auch den unperfekten. Es sind Momente, in denen die, die sich zeigen, angenommen werden, wie sie sind – wertfrei und wohlwollend. Bei echten Begegnungen sind wir offen für den anderen, wir schätzen den anderen, ohne ihn zu bewerten.

Warum sind echte Begegnungen in Unternehmen so wichtig?

  • Erst echte Begegnungen schaffen ein wirkliches Miteinander und ermöglichen Vertrauen
  • Nur echte Begegnungen schaffen die emotionalen Verbindung in Teams, die unabhängig von mobilem Arbeiten und digitaler Kommunikation das Wir-Gefühl trägt
  • Erst echte Begegnungen geben überhaupt die Chance zu emotionaler Tiefe, die die Entwicklung einer Teamvision, mit der alle verbunden sind, möglich macht
  • echte Begegnungen fördern kreativen Austausch und den Diskurs über unterschiedliche Standpunkte hinweg
  • Nur echte Begegnungen bieten die Möglichkeit, Konflikte nachhaltig zu klären und die darin liegenden Chancen zu nutzen

Warum fallen uns echte Begegnungen so schwer?

Mit dem Bedürfnis nach Zugehörigkeit geht die Angst vor Ablehnung einher. Der Hirnforscher Gerald Hüther erklärt es in dem Buch „Lernlust. Worauf es im Leben wirklich ankommt.“ wie folgt: „Angst, wird in der Tat bei uns Menschen durch bedrohliche soziale Erfahrungen ausgelöst. … Ich werde nicht mehr angenommen. Ich werde nicht mehr geachtet, ich werde nicht mehr wertgeschätzt. …“

Wenn ich mir also nicht einhundertprozentig sicher bin, dass ich von meinen Umfeld wertfrei angenommen werden, zeige ich mich nicht so, wie ich bin. Viele Menschen gehen sogar noch einen Schritt weiter, sie erschaffen eine „Hülle“ oder „Maske“ von sich, von der sie glauben, dass diese Zustimmung und Anerkennung findet. Dadurch entfernen sie sich von sich. Echte Begegnungen werden so unmöglich.

Wie können Führungskräfte Raum für echte Begegnungen schaffen?

Führungskräfte sollten selbst authentisch sein und sich zeigen. Wenn sie selbst Angst vor echten Begegnungen haben, werden sie im Team keine Begegnungskultur etablieren. Ferner sollten sie:

  • Teamzeit, die deutlich über den Jour fixe hinausgeht, regelmäßig einplanen.
  • das Vertrauen im Team aktiv stärken.
  • Gespräche schwerpunktmäßig durch Fragen führen, um so die Mitarbeiter einzuladen, sich selbst Raum zu nehmen.
  • Handy- und Laptopfreie Kommunikationsräume schaffen.
  • den informellen Austausch im Team fördern.
  • eine Kultur des „Ausreden lassens“ etablieren.
  • Stärken und Talente ihrer Mitarbeiter wahrnehmen und aufrichtig wertschätzen.
  • das Selbstvertrauen ihrer Mitarbeiter stärken.

Mehr Ich für mehr Wir

In meiner täglichen Arbeit, erlebe ich immer mehr Führungskräfte, die bereit sind, hinter ihre eigene Maske zu schauen und sich selbst mit ihren Bedürfnissen wahr- und ernst zu nehmen. Sie lernen sich – mit unserer Hilfe – neu kennen und vertrauen. Sie lösen sich von ihren Ängsten und entwickeln zunehmend eine innere Unabhängigkeit von der Meinung anderer. Sie stehen zu sich und sind bereit, sich zu zeigen – mit all ihrer unperfekten Persönlichkeit, ihren Talenten, ihrer Echtheit und Wärme.

In solchen Entwicklungen liegt die Chance für Teams zu einer Begegnungskultur zurückzufinden und aus der Fülle der verschiedenen Persönlichkeiten, ihrer Interaktion und ihrem Austausch eine Vertrauensbasis zu etablieren, die kreatives, innovatives und unternehmerisches Denken und Handeln in einer Tiefe und Nachhaltigkeit ermöglicht, dass wirtschaftlicher Erfolg garantiert ist – auch in einer digitalen Welt.

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