Im Gespräch mit Michael Weise

Herr Weise, was lieben Sie an Ihrem Beruf?

Das hat sich in den letzten Jahrzehnten deutlich verändert. Ich bin Techniker. Als ich mit 15 Jahren meine Lehre zum Heizungsbauer angefangen habe, habe ich diesen Job geliebt, weil er etwas mit Energie und etwas mit Kunden und damit mit Menschen zu tun hat. Ich war bei Kunden daheim. Die hatten ein Heizungs- oder Sanitärproblem. Ich habe das für sie gelöst. Und die Kunden waren zufrieden. 

Diese zwischenmenschliche Komponente hat sich in meiner Aufgabe nach dem Studium wiedergefunden. Als Projektleiter in einem Planungsbüro hatte ich nicht nur mit Mitarbeitern, sondern auch besonders mit anderen am Bau beteiligten Personen, wie beispielsweise Bauherrn, Architekten und Statikern zu tun. Um etwas Technisches in den Projekten umzusetzen, mussten wir alle miteinander reden und gemeinsam Lösungen entwickeln.

Im Gegensatz zu meiner Berufsausbildung als Heizungsbauer, bei der ich sehr praktisch gearbeitet habe, war ich im Planungsbüro ein „reiner Theoretiker“. Was ich da zu schätzen gelernt habe, ist die Wichtigkeit einer guten Planung und meiner Rolle dabei. Ich trage als Ingenieur dazu bei, dass aus einer ersten Idee eine tragbare Lösung entstehen kann. Das hat mir noch mehr Spaß gemacht, als das reine Erstellen und Reparieren von Heizungsanlagen. Denn bei der Planung konnte ich selbst entwickeln und gestalten. Welche Energie kommt in ein Gebäude? Woher kommt die Energie? Mit welcher Technik setzen wir das am besten um? Lässt sich das Gebäude noch drehen, damit es günstiger zur Sonne ausgerichtet ist? Wie gut und wirtschaftlich ist das Energiekonzept? Um Antworten auf diese Fragen zu finden, war es wichtig, dem Kunden zuzuhören und ihn zu verstehen. Es ging nicht darum, ihm Technik von der Stange zu verkaufen, sondern eigens für ihn und seine Bedürfnisse das Richtige zu entwickeln. Das fasziniert mich heute wie damals an diesem Beruf.

In meiner jetzigen Aufgabe als Geschäftsführer der IBF liebe ich es, junge Leute für unser Fach zu begeistern, sie so zu begleiten und zu entwickeln, dass sie für ihre berufliche Zukunft gut aufgestellt sind. Dabei ist es für mich als Arbeitgeber vorrangig, dass sich die Mitarbeiter bei uns wohlfühlen, zufrieden sind und somit langfristig in unserem Unternehmen bleiben. Und bei Langfristigkeit und Zukunft denke ich natürlich an Digitalisierung – auch das ist eine Fragestellung, die mich begeistert. Die Baubranche steht erst am Anfang der Digitalisierung und hat daher sehr großen Nachholbedarf.

Welche Parallelen gibt es zu dem, was wir tun, der Persönlichkeitsentwicklung?

Viele. Der Umgang mit Menschen steht im Vordergrund. Wie vorher erwähnt, sehe ich es als meine Aufgabe an, jungen Leuten „Starthilfe“ für ihre berufliche Zukunft und Weiterentwicklung zu geben. Damit meine ich nicht nur die Weiterentwicklung in technischen Fragestellungen. Ich meine vor allem die Weiterentwicklung als Mensch, als Persönlichkeit. Dafür stehe mit meiner Erfahrung und meinem Wissen zur Verfügung, aber ich gebe ihnen Raum, sich selbst und viele Dinge auszuprobieren. Dabei bin ich Mentor. In dieser Rolle schärfe bei meinen Mitarbeitern das Bewusstsein dafür, welche Folgen ihr Handeln haben kann. Ich zeige Risiken auf und frage nach dem Plan B.

Damit ich als Mentor auch gehört werden, achte ich darauf, dass ich meine Erfahrung so vermittle, dass ich auf jeden Einzelnen eingehe und ihn individuell in seiner Persönlichkeit sehe und entwickle. Zentraler Punkt dabei ist aus meiner Sicht, dass die vielen Werkzeuge, die unsere Mitarbeiter in Schulungen und bei ihren tagtäglichen Aufgaben erhalten, so zusammenpassen, dass sie diese gern und zielführend einsetzen und sich dabei wohl fühlen. Und da gilt es, jeden zu erreichen und zwar jeden einzelnen für sich auf seine individuelle Art.

Wann kommen Ihnen die besten Ideen?

Im direkten Gespräch. Zwar suche ich manchmal die richtigen Worte, aber ich bekomme direktes Feedback, direkte Impulse. So kann sich im Dialog etwas entwickeln. Im Gespräch befruchtet man sich gegenseitig. Das ist mir viel wert.

Gute Ideen kommen mir auch beim Sport, besonders beim Rad fahren. Der Körper ist unter Anstrengung, aber der Kopf ist frei. So können Gedanken fließen und Ideen entstehen.

Wie wird Ihr Beruf im Jahr 2050 aussehen?

Ich habe mir im Vorfeld zu unserem Gespräch die Frage gestellt: Warum 2050? Warum nicht 2025 oder 2030? 2050 ist sehr, sehr weit in der Zukunft. Wahrscheinlich beamen wir zu dieser Zeit die Menschen. Ich weiß es nicht. Aber ich bin davon überzeugt, dass  es 2050 etwas geben wird, was wir uns heute noch nicht vorstellen können. 

Lassen Sie uns mal 30 Jahre in die Vergangenheit zurückgehen in eine Zeit ohne Handy und ohne Internet. Haben wir uns damals vorgestellt, wie wir heute kommunizieren, wie digital wir sind? Ich nicht.

Ich bin davon überzeugt, dass wir 2050 extrem weit sein werden. Die digitale Revolution, in der wir aktuell sind, wird zukünftig noch mehr Kreativität von uns Menschen erfordern. Wir brauchen nur mal Science Fiction Filme zu schauen – 2050 wird wahrscheinlich vieles davon Realität sein. Wir werden ganz andere Energiequellen als heute haben. Wir werden ganz andere Transportmittel als heute haben. Und dabei kommt es darauf an, was wir uns vorstellen können. Die Hauptursache, warum wir heute noch nicht weiter sind, ist, weil es uns oft an der Vorstellungskraft fehlt.

Und wenn wir erst mal verstanden habe, die künstliche Intelligenz für uns rechnen und arbeiten zu lassen, dann haben wir auch Zeit, Dinge wirklich kreativ zu gestalten und zu verändern. Um die Zukunft zu entwickeln, müssen wir raus aus einer angstgetriebenen Gesellschaft. Ich hoffe, dass sich diese Erkenntnis bis 2030 flächendeckend etabliert hat und unsere Kinder die Gesellschaft wirklich verändern – zum Guten.

Ich persönlich möchte 2050 noch etwas mit Menschen tun haben, kreativ sein und genau dort sein, wo ich heute bin. Hier am Ammersee.

Michael Weise ist Geschäftsführender Gesellschafter der IBF Ingenieurgesellschaft mbH, München. Das Unternehmen ist seit 56 Jahren Partner rund um die Technische Ausrüstung für Gebäude aller Art. Das Ingenieurbüro begleitet Auftraggeber von der Planung der Haustechnik bis zur Fertigstellung und darüber hinaus.

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